Am anderen Ende der Welt (19.02. – 26.02.2016)

Endlich raus aus Indien erstehen wir in Neuseeland auf gut Glück zwei Fahrräder und Zeltausrüstung. Ungesehen, von Privat und Gebraucht, das hat meistens seine Tücken. Wir lernen was ein „tinnyhouse“ und „spots“ sind und dann begeben wir uns auch schon hinein in die wunderschöne Wildnis Neuseelands.

Wir genießen unser letztes Frühstück in Indien mit indischen Doughnuts, Idli und Dosa und verlieren leider unser super praktisches Taschenmesser in der Kontrolle am Flughafen; Es war im Handgepäck gelandet. Sicher ist euch schon aufgefallen, dass viele unserer Bilder einen dunklen Punkt in der Mitte haben. Das liegt an der Linse unserer 10 Jahre alten Kamera. Beim Zwischenstop in Singapour haben wir endgültig genug davon und kaufen das neueste Topmodel von Sony mit 30x optischem Zoom, GPS und WLan funktion u.v.m. Also Leute freut euch auf atemberaubende Bilder aus Neuseeland! Nach dieser Investition belohnen wir uns natürlich noch mit einem riesen Stück Schwertfisch; lecker!

Nach 10 Stunden Langstreckenflug landen wir in Australien und begeben uns zum ersten mal durch die penible Biogefahrenkontrolle. Jeder Apfel, getragener Schuh und alles was irgendwie Pflanzen- oder Tierbestandteile enthält wird angeschaut. Wir dürfen fast alles behalten. Nur dem guten Süßholz aus Nepal trauert Felix ein bisschen nach, es enthält Barke und muss entsorgt werden. In Neuseeland noch einmal das gleiche Spiel: alle Tier und Pflanzenprodukte erklären, teilweise vorzeigen, Schuhe desinfizieren und endlich dürfen wir uns bei unserem ersten Couchsurfing Host in Neuseeland ausruhen.

Dank der Kommentare bei Couchsurfing wussten wir bereits von den drei großen Hunden und es waren wirklich beeindruckende Hunde, die bei jedem Geräusch zuverlässig Alarm schlagen. Schon beim Betreten des Hauses fällt uns der unverkennbare Geruch von Cannabis auf.

Bereits von Indien aus hatten wir uns auf Neuseelands großer Handelsplattform www.trademe.co.nz registriert und erfolgreiche Gebote für zwei Fahrräder abgegeben. Diese Räder müssen natürlich abgeholt werden. Von einem jungen russischen Studenten haben wir ein Straßenrad mit zwei kleinen Taschen erstanden. Der Reifen ist ziemlich runtergefahren und ein paar Ersatzteile sind fällig. Von einem netten Pärchen aus England erhalten wir ein altgedietes und bewährtes Mountainbike mit kompletter Touringausstattung.

Unser Gastgeber wohnt etwas außerhalb von Auckland in Northshore, also sind wir morgens mit dem Bus in die Stadt gekommen und am Nachmittag fahren wir die Strecke zurück mit unseren neuen Rädern. Der Heimweg beinhaltet auch eine kurze schöne Fährüberfahrt durch den Hafen von Auckland, da wir mit den Rädern nicht über die Autobahnbrücke dürfen. Die nächsten beiden Tage verbringen wir damit die Räder auf Herz und Nieren zu prüfen, notwendige Ersatzteile und weiteres fehlendes Equipment zu kaufen.

Am Abend enthüllt sich, wo wir hier tatsächlich gelandet sind. Die Küche ist recht einfach eingerichtet und das prominenteste Werkzeug sind zwei Messer und der Deckel einer Blechdose, die permanent auf dem Herd liegen und einen Großteil des Tages glüht die Herdplatte mit den Messern. Ab und an wird ein Krümel Canabis mit den glühenden Messern von der Arbeitsplatte aufgehoben und dazwischen zerdrückt und eine zweite Person kann dann meist mithilfe eines Rohres den Canabisdampf einatmen. Diese Technik nennen die Kiwis „spots“. Kiwis, so bezeichnen sich die Neuseeländer selbst, nach ihrem vom Aussterben bedrohten Nationalvogel. Es kommen auch regelmäßig Leute vorbei und halten einen kurzen Schwatz, lassen eine 20 $ Note da, und gehen mit einem Grinsen und einem kleinen Tütchen Graß nach Hause. Wir halten uns vornehm zurück und als alle anderen völlig berauscht sind erklärt man uns, was ein tiny house ist. „tiny“ ist Slang für „twenty“(engl: zwanzig) und bezeichnet eben die Menge Gras, die man für 20 $ erhält. Unsere Gastgeber führen ein solches nun schon in zweiter Generation. Die wirklich liebevolle Mutter des Hauses erzählt auch von Ihren bisherigen Erfahrungen mit dem Justizvollzug. Ja die ein oder andere Haftstrafe bleibt da auch im recht anarchistischen Neuseeland nicht aus. Ihre größte Sorge heute Abend ist, dass der Premierminister von Neuseeland für mehrere Millionen Dollar einen scheiß Panda für den Zoo gekauft hat. Und Niemand hat sie gefragt ob sie einen scheiß Panda will. Denn sie will verdammt noch mal keinen scheiß Panda! Dabei tanzt sie extatisch durchs Wohnzimmer.

Nach drei Tagen in Northshore sind unsere Reisevorbereitungen abgeschlossen. Unsere großen Rucksäcke lassen wir in den Händen unserer wirklich unterhaltsamen Gastgeber und machen aus, am Ende unserer Reise nochmal vorbei zu kommen. Es geht als Erstes ab in den Norden an der Ostküste entlang. Unsere geplante Fahrradroute führt durch jede einzelne wunderschöne Bucht auf dem Weg hoch nach Tutukaka, unserem nördlichsten Ziel in Neuseeland. Unsere erste Tagestour ist natürlich ganz entspannt. Doch wir werden ein wenig überrascht wie hügelig Neuseeland bereits auf der Nordinsel ist. Gut das wir schon einigermaßen trainiert sind. Wir strampeln uns nach Red Beach um das Zelt, in dem wir die Nacht schlafen wollen, abzuholen. Es ist noch nicht spät und so fahren wir über angelegte Wasserwege nahe an Crocodile Island (Krokodil Insel) vorbei. Keine echten Krokodile in Sicht, vermutlich heißt die Insel so wegen ihrer Form.

Bei einer steilen Steigung passiert es dann *pffffffft* und Janas Vorderreifen ist platt. Es sind noch einige Kilometer den Berg hoch und runter zum nächsten Dorf und als wir da ankommen gibt es keinen Fahrradladen. Es wird also wieder in die Hände gespuckt und unser Reparaturkitt rausgeholt. Wir stellen fest, dass der Schlauch bereits dreimal geflickt wurde. Da Felix leider an der falschen Stelle gespart hat, haben wir für mein Rad keinen Ersatzschlauch dabei. Schließlich hatten wir auf den 3000 km entlang der Donau nicht einmal einen Platten.

Wir schaffen es mit geflicktem Schlauch zum geplanten Campingplatz mitten in einem Regionalpark. Die Aussicht und Natur sind atemberaubend. Leider ist der Zeltplatz eine Enttäuschung. 15 NZD pro Person für einen Zeltplatz mit Plumsklo und ohne Dusche. Da es bereits dunkel wird schlagen wir unser Zelt auf. Felix organisiert uns einen Duschschlauch von den Nachbarn und wir sind wieder besser drauf.

Seit wir in Auckland angekommen sind verfolgt uns überall konsequent ein ungehäurer Lärm. Überall aus den Büschen zirpt und knackt es und einige der Pflanzen hier sondern sehr interressante Gerüche ab. Es riecht angenehm waldig. Der Lärm kommt von den Zikaden, ein einheimisches Insekt. Es ist wohl gerade Paarungszeit für diese leicht deformierten Heuschrecken/Grillen/Grashüpfer.

Der nächste Morgen begrüßt uns mit wundervollem Wetter und einem Kiwi (einem Neuseeländer) der noch nie einen wilden Kiwi (den nachtaktiven einheimischen Vogel) gesehen hat. Während seine Enkelkinder mit Eidechsen und Seesternen spielen erzählt er uns, dass man nur noch auf den Inseln wirklich eine Chance hat Kiwis zu sehen, da man es geschafft hat diese raubtierfrei zu halten.

Wir finden einen Wasserfall Pfad direkt an der Straße und machen unseren ersten Spaziergang durch Neuseeländischen Urwald.

Wir halten die Augen offen nach einem Fahrradladen. In Warkworth war der Fahrradladen vor ein paar Monaten pleite gegangen. Der Besitzer des Fahrradshops in Matakana war zur Zeit in Auckland um eine neue Filiale zu eröffnen.

Die App wikicamps verspricht freies Camping in der Mattheson Bucht, also fahren wir dahin. Die Bucht ist ein super Schnorchelspot und wir treffen eine Gruppe die zum Nachttauchen da ist. Wir ziehen uns selber Flossen an und sehen zum ersten Mal Neuseeland Unterwasser. Steinformationen und große Gräser sind das Interessanteste. Es gibt nicht viel Fisch und die See ist ein wenig rau. Wir sind nach dem Oman wohl ein bisschen verwöhnt was „gute“ Schnorchelspots angeht. Es stellt sich heraus, dass die Erlaubnis zur Übernachtung nur für Campervans gilt. Ein israelisches Rentnerpärchen hilft uns aus der Patsche und läd uns zum Tee in ihren Campervan. Sie sind sehr überzeugt davon, dass die Flüchtlinge aus Syrien eine muslimische Invasion sind. Sie waren mit ihrem Campervan bereits in Afrika und berichten von ähnlich ungebildeten, kurzsichtigen Menschen, wie wir sie in Indien getroffen haben. Der Platzwart hat um neun seine Runde gedreht und wir schlagen unser Zelt im Dunkeln auf mit Aussicht auf einen Aufbruch bei Sonnenaufgang.

Wir finden eine Tankstelle mit Backshop nebendran. Jana will ihren Reifen ein bisschen mehr aufpumpen und Felix will frühstücken. Leider ist die Anzeige der Pumpe nicht sehr präzise und der sowieso schon strapazierte Reifen platzt. Toll, in einem klitzekleinen Dorf ohne irgendeinen Fahrradladen. Mit drei Flicken wird der Schlauch noch einmal großzügig bestückt, bis er wieder dicht ist. Jetzt schon fast mehr Flicken als Schlauch! Der Schlauch ist nicht nur spröde sondern eigentlich auch zu klein für diesen Reifen. Wir fahren weiter.

Goat Island (engl. Ziegeninsel), der beste Schnorchelspot von Neuseeland, ist nur noch wenige Kilometer entfernt. Dieser Strand war eines unserer Highlights im Norden und umso mehr ist Felix enttäuscht, als uns eine Gruppe großer Jungs mit Flossen und langen Gesichtern entgegenkommt. Auf den Fijis hatte kürzlich ein Taifun gewütet und hier an Goat Island sind die Wellen immer noch recht groß und es ist gefährlich unter diesen Bedingungen hier Schnorcheln zu gehen. Also fällt das Schnorcheln flach… Es kommt noch besser.

Janas Reifen ist schon wieder platt. Er wird notdürftig geflickt und unsere Hoffnung ist klein, dass er die 55 km nach Mangawhai Heads zum nächsten Fahrradladen noch macht. Es geht wieder steil den Berg hoch und *pffffffft*. Ratet mal! Noch keine drei Kilometer gefahren und schon wieder ist die Luft raus. Wir schieben die Fahrräder den Berg hoch und halten immer wieder Autos an und fragen nach Hilfe. Beim vierten Auto kommt unser Glück endlich zurück. Kevin, ein neuseeländischer Bauleiter, wohnt gleich um die Ecke und bietet uns an das wir den Schlauch aus einem der Fahrräder seiner Kinder haben können. Wir haben mal wieder Schwein gehabt. Der Schlauch wird getauscht, aufgepumpt, sich ausführlich brav bedankt und wir strampeln wieder den Berg hoch. 50 Kilometer später in Mangawhai treffen wir einen jungen Deutschen, dem es so gut in diesem kleinen Dörfchen gefallen hat, dass er jetzt hier lebt und arbeitet. Er empfiehlt uns einen Platz auf dem man Freicampen kann. Jana ist allerdings ziemlich versessen darauf sich nach dieser Plattenodyssee auf einem Zeltplatz mit Dusche, Küche und anderen netten Reisenden einzunisten. Gesagt, getan, der Campingplatz kostet nur 16 NZD und hat alles inklusive (naja Duschen 50 cent). Wir kriegen sofort Tipps von einheimischen betrunkenen Jugendlichen, dass wir unbedingt die Schokolade und den L & P Fizzy Drink (weltbekannt in Neuseeland!) probieren müssen. Mit dieser neuen Herausforderung und rollenden Rädern freuen wir uns auf die nächsten Tage.

5 Gedanken zu „Am anderen Ende der Welt (19.02. – 26.02.2016)“

  1. Hallo , ihr Zwei , der Bericht ist ja wieder hochinteressant . Weiterhin alles Gute ! PS : Hoffentlich habe ich den nächsten Platten erst wieder, wenn Ihr wieder da seid ! Du bist ja jetzt absolut ein Ass in dieser Branche , lieber Felix . Wir freuen uns auf den nächsten Blog . Karin & Hannes

  2. Wie schön von euch zu lesen!!!! Hab mich echt gefreut. Mein Neid steigt umso mehr und ich lese begeistert mit und wünschte ich könnte dabei sein!! Glückwunsch zur Kamera!!!

  3. Klasse Fotos, interessanter Bericht ! Übrigens: Das mit Abstand beste „Fotoalbum“, das ich je gesehen (und gelesen) habe!

    1. Hi Ralf!
      Ich freue mich sehr dass es dir gefällt. Die Kommentare unter den Fotos sind manchmal ein bisschen lang, aber ich denke manche schauen sich nur die Bilder an und lesen nicht unsere ewig langen Berichte, daher bin ich da lieber ausführlich. Ich hoffe ihr habt einen wunderschönen Frühling in Deutschland!

      Bis bald und liebe Grüße an alle!
      Jana

  4. Hallo Jana und Felix
    Sind jetzt auch auf Weltreise in Kenia – Mombasa 5000 mils at home.
    Nach 8 Stunden Flug gut gelandet allerdings nicht mit airbus sondern Boing 767 von Condor – die einzige Direktverbindung.
    Klima sehr schwuel warm Wasser 27 Celsius Tiede hier 4,5 Meter nicht wie in Hamburg.
    Vati und Mutti

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