Die perfekte Welle! (27.02. – 05.03.2016)

Wir erkunden die wundersame Unterwasserwelt Neuseelands in Mangawhai Heads, Whangarei Heads und den „Poor Knight Islands“.  Auf dem Weg nach Norden treffen wir zwei tolle Couchsurfing Gastgeber und kommen ins Radio!

Nachdem uns die letzten drei Tage mehrfach der gleiche Reifen geplatzt ist und ewig kein Fahrradladen zu finden war, haben wir in Mangawai Heads erst einmal Ersatzteile aufgestockt: eine fehlende Schraube, Ersatzketten und natürlich reichlich Ersatzschläuche. Wir gönnen uns den Luxus und bauen sogar noch Ständer an die Räder. Felix‘ Ständer hat leider nicht wirklich lange gehalten.

Wir hatten gehört, dass es im Hafen von Mangawai Heads Stechrochen geben soll und von einigen Einheimischen erfahren wir von einem ganz schönen Schnorchelspot. Etwas spät am Nachmittag bei Regen müssen wir hier unbedingt noch mal rein. Es ist kalt, einen Stechrochen sehen wir zwar nicht, aber große Krabben, einige kleinere Fischschwärme und viel Seegras. Verwöhnt von unseren Erfahrungen in den Tropischen Gewässern vor dem Oman wirken diese Subtropischen Schnorchelparadiese etwas farblos. Und Korallen gibt es auch nicht, dafür aber Seesterne, Seeigel und Muscheln.

Abends in der Campküche begegnet Felix einem älteren Herrn, der sich eben sein Abendessen am Strand zusammengesucht hat. Es gibt Pipis, eine Muschelart. Muscheln und anderes Meergetier sammeln ist hier eine weit verbreitete Freizeitbeschäftigung und die Regularien dafür sind wirklich entspannt. Ein Angelschein ist nicht erforderlich und die Limits für Freizeitfischer sind sehr großzügig.

Wir wollen mehr von Neuseelands Unterwasserwelt sehen und probieren noch mal am Langs Strand zu schnorcheln. Schon als wir hier ankommen sehen wir viele Surfer. Surfer beforzugen hohe Wellen, was fürs Schnorcheln eher hinderlich ist, da aufgewirbelter Dreck die Sicht unter Wasser einschränkt. Wir gehen trotzdem rein und vertreiben vermutlich eher die Fische für ein paar Angler und frieren wieder wegen den Temperaturen. Zu sehen ist nix. Am Strand sehen wir dafür überall süße kleine Pinguine. Leider alle tot, die werden in den letzten Tagen gehäuft hier angespült, da viele durch den Taifun auf den Fiji Inseln gestorben sind. Mit einem Eis und heißer Schokolade gestärkt geht es nach Waipu.

Über Warmshowers.org hatten wir um eine Unterkunft in Waipu gebeten, aber noch keine Antwort erhalten. Wir sind heute schon sehr früh in Waipu angekommen und beschließen einfach weiter zu fahren, da wir hier eh keine Übernachtung haben. Der Friedhof von Waipu ist interressant, er erzählt die Geschichte der Nova Scotians. Die Nova Scotians sind Siedler aus Schottland, die zunächst weiter südlich in Neuseeland gesiedelt hatten, es dort jedoch nicht ausgehalten haben und schließlich hier in Waipu ihre neue Heimat gefunden haben. Zwischen den alten Mc Kensey und Mc Kay Gräbern findet man dann auch neuere Gräber, die den späteren Zuzug aus aller Welt bezeugen. Im Dorf selbst hören wir Dudelsackmusik aus dem Feuerwehrhaus.

Als wir dann um Mittag rum vor dem Supermarkt von Waipu rasten passiert ein kleines Wunder. Wir werden von einer netten Frau angesprochen, ob wir nicht die zwei deutschen Radfahrer seien, die heute eine Unterkunft in Waipu suchen. Cathrin und ihre Tochter Nadja hatte unsere Anfrage bei Warmshowers.org erhalten und laden uns zu sich nach Hause ein. Na wenn das so ist fahren wir heute doch nicht mehr weiter auf den Zeltplatz, der ein Schlammdebakel verspricht.

Cathrins Sohn Ashley hat seine eigene Radiostation; Sie haben eine Solarbetriebene Sendeantenne auf dem höchten Berg der Umgebung und zahlen eine jährliche kleine Abgabe für die Nutzung der Frequenz. Am Nachmittag erwarten sie Steve den Kaffeemann im Studio, er macht eine Radioshow. Was wir zunächst nicht ahnen; wir sind natürlich die Überraschungsgäste dieser Show. Nachrichten wie „zwei verrückte Reiseradler haben sich in unser Dorf verirrt“ werden hier mit einem Radiointerview der Bevölkerung näher gebracht.

Die Waipu Cave (engl. Höhle) beherbergt Glühwürmchen, ein beeindruckendes Naturschauspiel. Zusammen mit Cathrin und ihrem Mann fahren wir dort hin und waten durchs Wasser, sehen Aaale und bewundern die vielen kleinen leuchtenden Punkte in dem Felsdom. Auf der Rückfahrt über die unbefestigte Straße hören wir mehrfach ein dumpfes Geräusch, bis wir endlich bemerken, dass der Kofferraum offen ist. Also fahren wir noch ein zweites Mal fast bis zur Höhle und sammeln die verlorene Ladung wieder ein. Nach einem guten Abendessen mit Neuseeländischem Wein zeigt Cathrin uns noch ihr Haustier ein Neuseeländisches Schwein; Briszilla ist bereits etwas betagt und fast blind. Diese Schweineart heißt Kunekune, was Maori ist und soviel wie „fett und rund“ bedeutet.

Am nächsten Morgen lassen wir uns von Cathrin noch Tipps und Sehenswürdigkeiten auf der weiteren Route empfehlen und fahren schließlich über Neuseelands einzige Rafinerie am Marsden Point weiter nach Whangarai. An einem Bootsanleger nahe der Rafinerie ist das Wasser extrem klar. Wir genießen die Aussicht auf entladende Öltanker und wunderschöne Natur. Zwei Jungs aus der Umgebung jagen um den Hafen herum mit einer Harpune nach Kingfisch. Die Jungs erklären uns, dass der Bereich auf der anderen Seite der Bucht von Whangarei ein Marine Reserve ist. Dort ist Fischen streng verboten und da ist dann sogar noch mehr Fisch also super zum Schnorcheln, aber bereits hier ist die Unterwasserwelt beeindruckend.

Auf dem weiteren Weg begegnen wir den ersten anderen Reiseradlern, ihre Ausrüstung ist made in Germany, sie kommen aus der Schweiz. Am Abend empfängt uns Alex ein rüstiger Couchsurfing Rentner. Heute Abend beherbergt er bei sich in der Garage und im Zelt auf dem Rasen 9 junge Reisende. Alex selbst lebt im Wohnwagen, wo Jana mit der gesamten Gruppe einen Film schaut, während Felix sich diesen Abend dem lokalen Brazilian Jujitus Club anschließt. Seine eigenen Enkel pflegen wenig Kontakt, aber niemand kann Alex verbieten sich so viele junge Gäste einzuladen wie er will; auch nicht sein Vermieter.

Wir fahren zu dem Motukaroru Marine Reserve, welches wir tags zuvor schon von der Rafinerie aus gesehen hatten. Es ist weiter als gedacht, aber es hat sich gelohnt. Wir sind ganz allein an einem wunderschönen Steinstrand und die Fische sind groß und zahlreich, einzig die Strömung in dieser Meerenge findet Jana etwas beängstigend.

Die Poor Knights Islands sind irgendwann einmal von irgendeinem Tauchmagazin zu den 10 besten Tauchspots der Erde gezählt worden, deshalb können die einzigen beiden Unternehmen die dorthin fahren auch 170 NZ$ verlangen. Von Whangarei aus fahren wir bis zum Kowharewa Bay um am nächsten Morgen sehr früh von hier aus direkt zum Tutukaka Hafen zu kommen und noch einen Platz auf dem Boot zu ergattern.

Die See ist heute etwas rau und unser Tauchboot schaukelt heftig in den Wellen. Anfangs war das noch lustig und Felix durfte sogar für 5 Sekunden am Steuer des Schiffes sitzen. Eine Stunde und 2 Kotztüten später waren wir bei der hoch angepriesenen Inselgruppe. Da wir noch keinen Tauchschein haben Schnorcheln wir nur, aber mit 6 kg Blei kann man auch ohne Flasche ganz schön schnell ganz schön tief runter kommen. Wir fahren außerdem mit unserem Boot in eine riesige Höhle. Die Rückfahrt ist wieder sehr rauh.

Nach der Anstrengung gibt es erst einmal Fish’n’Chips bei einem Kiosk im Matapuri Bay. Man muss mal feststellen Fish’n’Chips ist hier in Neuseeland in fast jedem Kiosk zu haben, es ist unschlagbar günstig und die Qualität des Fisches und der Pommes ist meistens Weltklasse. Das Eis zum Nachtisch wird vom jüngeren Bruder der Verkäuferin geformt und er macht die Kugeln natürlich genau so wie er sie auch am liebsten mag 5 mal so groß wie eine normale Kugel.

Nach dem finalen Schnorchelerlebnis auf den Poor Knights Islands haben wir genug von Küste, Strand und Meer und wollen wieder zurück nach Auckland und dann weiter über die Coromandel Halbinsel zu den Geothermalfeldern und heißen Quellen um Rotorua und Taupo. Und tatsächlich das Glück ist uns hold. Beim Camping am Whooleys Bay begegnen wir Simon und Anna, einem Pärchen aus Deutschland. Sie haben einen Wohnwagen und wollen damit morgen nach Auckland mit einer Übernachtung am Goat Island. Wir waren bei Goat Island aber leider war so ein starker Wellengang, dass wir nicht ins Wasser konnten. Wir sind überglücklich über eine zweite Chance am besten kostenlosen Schnorchelspot Neuseelands schwimmen zu gehen.

Während Simon und Anna am Vormittag noch zu den Poor Knights Islands fahren, besuchen wir die Mermaidpools und sehen zum ersten mal einen der mächtigen Kauri Bäume für die Neuseeland berühmt ist. Der Tane Moane ist zwar vergleichsweise kurz geraten hat aber dennoch einen beeindruckenden Stammdurchmesser. Der Wanderweg hierhin führt duch einheimische Busch- und Waldlandschaft. Es ist immer noch Paarungszeit für die Zikaden und das Zierpen ist sehr laut zu hören. Wir begegnen auch einigen interesannten Vögeln und anderen Insekten auf dem Weg. In Ngunguru lassen wir uns dann von Simon und Anna einsammeln und mit nach Goat Island nehmen. Ein gemeinsames Schnorchelerlebnis am nächsten Morgen rundet unser Nordlanderlebnis ab und es geht auf nach Auckland. Wir verabschieden uns von den Beiden in der Nähe des Flughafens und beschließen noch am selben Tag wieder aus der Stadt rauszufahren, um weiterhin die wunderbare Küste zu erkunden.