Ganz viel Fish’n’Chips (06.03. – 12.03.2016)

Die Coromandel Halbinsel hat einige der fiesesten Berge der Nordinsel, aber auch riesige Kauri Baum-Familien und tolle Wasserfälle. Wir fahren über die Schotterstraße 309 quer rüber und nach zwei Tagen mit neuen Freunden auf einem Weingut erreichen wir unsere erste heiße Quelle, den berühmten Hot Water Beach!

Das Küstenstück zwischen dem Nordland und der Coromandel Halbinsel ist am Anfang noch hügelig. Da wir die Hälfte des Tages im Auto verbracht haben sind wir relativ stolz auf die 50 km, die wir noch am selben Tag zurücklegen. In dem Park wo wir campen wollen steht ein Haus und wie es der Zufall will ist der Bewohner ein Mountainbikeliebhaber und Designprofessor aus Berlin. Er hat den Parkranger gerade auf ein Bier eingeladen, also erfahren wir von den unzähligen Mountainbiketreks und Ultimate Frisbee Spielfeldern in der näheren Umgebung. Auch Golf ist hier in Neuseeland eine weitverbreitete Sportart für Jedermann. Der Parkranger erscheint und bietet uns die Unterkunft für die Parkarbeiter an! Heute also doch ein richtiges Bett, eine Küche und Duschen!

Frisch erholt fahren wir die flache Küste zwischen Auckland und Coromandel entlang, die im Prinzip ein einziges Vogelschutzgebiet ist. Hier gibt es viele Küstenvögel und Zugvögel in Kolonien zu sehen. Der beste Fish’n’Chips Shop von ganz Neuseeland liegt auch auf der Strecke, ein kreischblaues Gebäude mit viel Platz zum parken. Kurz hinter Thames, dem alten Goldgräber Zentrum von Neuseeland, in Tararu nehmen wir uns noch ein bisschen Zeit für das Schmetterlingshaus. Es ist echt schwierig gut Fotos von den quirligen Schmetterlingen zu schießen.

Als wir in Tapu auf der Halbinsel ankommen, haben wir gute 90 km geschafft. Das Glück mit der Unterkunft ist uns holt und wir bekommen die Backpackerunterkunft (Bett!) zum Preis eines Zeltplatzes. Wir waren bloß nett und freundlich zum Platzwart. Ein älteres Pärchen aus der Schweiz ist ebenfalls mit den Fahrrädern unterwegs und was für welche! 18 Gang Kurbelgetriebe mit Riemenantrieb, falls das irgendwem was sagt… Sie haben die Südinsel bereits befahren und haben für den Transport von der Schweiz hierher in einem Containerschiff gelebt. Sie meinten es wäre nicht zu empfehlen. Für den Rückweg planen sie die Transsibierische Eisenbahn zu nutzen. Am nächsten Tag finden wir in Coromandel, der Stadt nach der die Halbinsel benannt wurde, einen malerisch schönen Zeltplatz. Wir verbringen den Abend mit Neuseeländischem Wein, vier netten Bayern und einem Pärchen das ein sechs Monate altes Kind mit im Wohnwagen hat. Wir erfahren lauter informative und witzige Dinge die man beim Reisen mit Kind zu beachten hat und dann leuchten die Lämpchen von Babyfon auf und sie verschwinden in ihrem Wohnwagen um sich um das Baby zu kümmern.

Wir beschließen noch einen Tag länger in Coromandel zu bleiben um die „Driving Creek Railway“ zu sehen. Der Erbauer Barry Brickell ist ein bekannter neuseeländischer Töpferkünstler. Er hat jede einzelne Schiene seiner kleinen Lehmbeschaffungseisenbahn selber gelegt und sie bei Geldmangel in eine Touristenattraktion umgewandelt. Die Eisenbahn führt über konstruierte Meisterwerke, durch Tunnel und hinauf auf einen wunderbaren Aussichtspunkt. Der Plan von Barry Brickell war die Bahn bis auf den Gipfel fahren zu lassen, dann könnte man beide Küsten der Coromandel auf einmal sehen. Leider ist Barry Brickel vor einem Monat verstorben und wir konnten nur noch an seinem Grab vorbeifahren, das mit Sondergenehmigung auf seinem eigenen Land liegt. Er hinterlässt die Strecke der Gemeinde von Coromandel und auf seinem Land einen neu gepflanzten Wald von 6000 jungen Kauri Bäumen.

Es gibt zwei Möglichkeiten von der West- an die Ostküste der Coromandel zu gelangen. Möglichkeit Nr. 1 ist die schmale geteerte Straße die ca. 40 bis 50 km lang ist und 7 fiese Hügel beinhaltet. Möglichkeit Nr. 2 ist die 20 km lange noch schmalere Kiesstraße, die nur einen großen Berg beinhaltet. Wir entscheiden uns für die „Kiesstraße 309“, weil es hier auch noch einiges zu sehen gibt. Unser Plan wird von unseren bayrischen Zeltplatzgenossen mit Schrecken vernommen. Sie sind die Straße mit dem Auto gefahren und es war ein einziger Albtraum. Wir lassen uns nicht abschrecken und abgesehen davon das es ordentlich bergauf geht ist die Strecke gut zu meistern.

Als Erfrischung zwischendurch gibt es die Waiau Falls, einen großen Wasserfall mit Becken zum drin schwimmen; das Wasser ist kalt. Außerdem entdecken wir einen Kauri-Rundgang bei dem wir eine richtige Kauri Familie sehen, sogar mit Zwillingskauri! Insgesamt eine tolle Strecke und mit dem Fahrrad wahrscheinlich angenehmer als mit dem Auto.

Auf der Ostseite der Coromandel angekommen nehmen wir in Whitianga die Fähre und schauen uns in Flaxmill noch die „Einsame Bucht“ an. Gar nicht so einsam hier, aber mit einem guten Platz zum Abendbrot essen auf einem großen Stein direkt am Wasser. Bleibt noch die Frage des Schlafplatzes zu klären. Auf einer kleinen Anhöhe etwas geschützt neben der Straße entdecken wir ein paar Zelte. Mit Plumsklo und Gartenschlauchdusche scheint dieser Zeltplatz etwas improvisiert zu sein. Wir erfahren das der Platz zum Weingut um die Ecke gehört und man für 20 NZD Mindestverzehr umsonst auf dem „Zeltplatz“ übernachten kann. Wir schauen uns das Pourangi Weingut mal von Innen an und werden gleich von dem enthusiastischen Besitzer etwas überwältigt. Erstmal kostenloses Probetrinken und diese neuseeländische Frucht, die jeder kennen sollte isst man zum Wein am besten gefrohren. Es folgt eine kleine Biologiestunde zur Feijoa.

Irgendwann haben wir es uns dann mit einem Krug Feijoa-Cider in der Gaststätte gemütlich gemacht. Wusstet ihr außerdem, dass die Kiwi eigentlich Chinesische Stachelbeere heißt und ihren Markennamen aufgrund des intensiven kommerziellen Anbaus in Neuseeland erhalten hat?

Einige Tischtennisrunden später haben wir neue Freunde kennengelernt. Erich und Melissa aus Amerika sind ein quirrliges Pärchen und wir haben uns gegenseitig sofort ins Herz geschlossen. Sie laden uns auf eine kleine Spritztour zum Meeresfrüchte sammeln am nächsten Tag ein und wir sind Feuer und Flamme.

Da der Barkeeper uns am Anfang des Abends so enthusiastisch empfangen hat, hatten wir später als wir etwas angetrunken zum Zeltplatz zurückkehren die Aufgabe das Zelt aufzubauen noch vor uns. Bei Dunkelheit und mit 3 Krügen Cider intus stellt dies eine besondere Herausforderung dar.

Am nächsten Vormittag gehts erst mal zur Kathedral Cove, berühmt geworden als Bildschirmhintergrund von Windows. Leider ist seit heute der Weg für Erneuerungsarbeiten gesperrt. Wir versuchen durch die Beiden angrenzenden Buchten zur Höhle zu gelangen. Eine abenteuerliche Kletterpartie durch die Edelsteinbucht (engl. Gemstone Bay) beginnt. Wir waten durch tiefes Wasser in der Stechrochenbucht (engl. Stingray bay). Ein älteres deutsches Pärchen schwimmt für uns um die Ecke und kommt relativ schnell mit den schlechten Nachrichten zurück, dass man von hier nicht in die Höhle reinkommt.

Etwas enttäuscht ruhen wir uns erstmal aus, bis wir den ersten Schwimmer verlauten hören Stechrochen!“. Die wollen wir natürlich auch sehen. Es wird die Schnorchelausrüstung angelegt und los gehts. Tatsächlich, schaut man ein bisschen genauer hin sieht man ab und zu einen vergrabenen Rochen im Sand. Der Ausflug hat sich doch noch gelohnt!

Nachmittags treffen wir Erich und Melissa am Pourangi Weingut wieder. Sie haben auch noch Will mitgebracht. Also fahren wir zu fünft bei Ebbe zur Opido Bucht und Sammeln Tuatuas, eine Muschelart. Man steht etwa Knietief im Wasser und fässt mit der Hand in den Sand. Wenn man etwas hartes Spürt ist das vermutlich eine Muschel. Manchmal greift man in den Sand und hat 5 Muscheln auf einmal in der Hand. Maximal darf man pro Person und Tag 150 dieser Muscheln Sammeln. Da es so unglaublich viel Spaß macht die kleinen Dinger aus dem Sand zu ziehen erreichen wir fast dieses Limit. Nun muss man die Muscheln eine Weile in sauberem Meerwasser lagern, damit sie nach und nach den Sand aus ihrem Inneren ausspucken. Sand im Essen schmeckt nämlich nicht.

Nach diesem guten Meersfrüchte Dinner kehren wir zum Pourangi Weingut zurück und sind etwas später am Abend die letzten Gäste und haben tiefphilosofische Unterhaltungen mit dem Besitzer, denen vermutlich keiner mehr so richtig folgen kann aber es gibt noch ein paar Schnaps und Wein aufs Haus. Ich glaube es ging um das Verhältnis zwichen den Maori und den Europäischen Siedlern in Neuseeland. Dazu gibt es hier mehrere Ansichten. Eine recht populäre und auch sehr radikale ist, dass es ja nur gerecht sei die Maori auszurotten, denn als die Maori vor 1000 Jahren Neu Seeland in Besitz genommen haben, hätten diese die vorherigen Bewohner des Landes einfach aufgegessen. Keiner von uns teilt diese Ansicht. Als Melissa durchblicken lässt, dass sie etwas von der heilenden Wirkung von Edelsteinen versteht, zeigt der Besitzer des Weinguts uns stolz seine Mineralien Sammlung. Es sind einige wirklich beeindruckende Brocken Neuseeländischer Mineralien dabei. Wir rauchen noch einen Apfel und verabschieden uns ins Bett. Was für ein krasser Abend.

Nach einem ausgiebigen Frühstück von Erich und Melissas Camping Kocher verabschieden wir uns und begeben uns zum Hot Water Beach. Der Hot Water Beach ist eine der Haupttouristenatraktionen auf der Coromandel und entsprechend überfüllt ist der kleine Fleck auf dem Strand an dem man bei Ebbe ein Loch gräbt welches sich dann ganz schnell mit Warmem Wasser füllt. Es heißt, dass man hier bei Nacht ganz gute Chancen hat dieses Phänomän fast alleine unterm Sternenhimmel zu genießen. Wir graben fast die ganze Zeit an einem wirklich großen Pool. Die meisten Leute hier heben nur 3 Schaufeln aus und wundern sich dann, dass ihr mini Pool entweder brühend heiß oder nicht warm genug ist.

Wir haben das Spa Erlebnis am Strand wirklich lange genossen und kommen sehr spät in Tairoa an. Hier in Tairoa gibt es wieder ausgezeichneten Fish’n’Chips. Wir wissen, dass es hier den einzigen kostenfreien Campingplatz auf der Coromandel gibt. Aber den zu finden gestaltet sich nicht so einfach und Jana fühlt sich heute auch nicht so gut und hätte lieber ein Zimmer, doch die Hostels hier sind unverschämt teuer und nicht gut. Schließlich finden wir den Campingplatz noch und erfreuen uns am nächsten Morgen beim Frühstück an netter Gesellschaft.

Ein Gedanke zu „Ganz viel Fish’n’Chips (06.03. – 12.03.2016)“

  1. Hallo, ihr Zwei , ein riesengroßes DANKE für die tollen Berichte & Bilder ! Wir freuen uns , dass trotz einiger Strapazen alles gut abgelaufen ist u. Ihr wieder gesund u. munter zu Hause gelandet seid ! Vielen Dank für die Postkarte aus Indien ! Nun pfeift es wieder aus einem anderen Loch und Ihr werdet morgens nicht von niedlichen Piepsern sondern vom blöden Wecker aus den Träumen gerissen ! Herzliche Gr. Karin & Hannes

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