Erdlöcher und lebende Sterne (12.03.-18.03.)

Dieses Mal dreht sich alles um den Inhalt großer und kleiner Löcher. Wir finden Löcher mit Glühwürmchen, einem Skelett, süßen Hobbits, jeder Menge Wasser, Schwefeldampf und blubbernden Schlamm. Die Wunder dieser Erde gilt es zu entdecken!

Das Ziel für heute heißt Waihi und nur um euch vorzuwarnen: Wir werden nie in Waihi ankommen. Felix hat alle Attraktionen aus unserem Frenzy NZ Reiseführer in unser GPS System eingetragen und kaum sind wir losgefahren erhascht er einen Blick aufs Navi und stellt fest, wir sind ganz in der Nähe von „Broken Hills“ (deut. gebrochene Hügel). Diese Gegend verspricht einige der aufregendesten Wanderwege ganz Neuseelands, mit jeder Menge alter Bergstollen.

Mitten im Wald gibt es dann einen gar nicht so verlassenen DOC (Department of Conservation) Campingplatz. Zuerst sehen wir nur ein paar Jungs die ihren Kater ausschlafen, aber der Platz füllt sich schnell. Eine Gruppe Metall (die Musikrichtung) Liebhaber hat sich direkt am Fluss platziert und wir wissen zeitweise nicht ob sie für ein Theaterstück proben oder ob sie einfach sehr betrunken sind und Spaß haben. Um dem ganzen die Krone aufzusetzen kommen uns, als wir zu dem ersten Wanderweg aufbrechen, noch zwei Pfadfindergruppen entgegen die es auch auf den Campingplatz abgesehen haben.

Bereits auf dem kurzen Hinweg zum Wanderweg entdecken wir ein paar entlegene Bienenkörbe und einen zweistufigen Wasserfall! Wir folgen einem alten Wasserkanal den Berg hinauf, durch enge Kurven am Abhang und kürzere Tunnel die einen sicheren Weg durch den Berg gewähren. Dann der erste längere Stollen, der Boden ist recht nass, aber Felix hat kein Problem damit und strazt mutig voran. Jana wird nach der Hälfte des Weges ein bisschen Bange, da der Berg komische Knackgeräusche von sich gibt und man eigentlich nur in die Stollen rein soll, die vom DOC als sicher gekennzeichnet wurden (dieser wurde es NICHT). Jana wartet also vor der Höhle während Felix immer tiefer in den Stollen reingeht. Irgendwann sieht man auch das Licht seiner Taschenlampe nicht mehr und es beginnt eine Zeit des Wartens. Nach etwa 10 Minuten ohne Lebenszeichen wird es Jana zu bunt und sie geht ihm hinterher mit der kleinen Taschenlampe an ihrem Schlüsselanhänger. Es dauert nicht allzu lange und der Tunnel endet in einer großen Höhle von der aus die weiteren Tunnel versperrt sind. Glühwürmchen kleben wie ein Sternenhimmel an der Decke und Felix macht in aller Seelenruhe ein paar Fotos.

Das eigentliche Highlight kommt allerdings erst noch, ein halber Kilometer langer Tunnel für den man sich warm anziehen und keine Klaustrophobie haben sollte. Die Reise durch dieses Ungetüm dauert eine gefühlte Ewigkeit, vor allem da Felix alle 5 Meter eine Ansammlung Glühwürmchen entdeckt, die noch viel schöner ist als die 5 Meter davor. Als wir wieder Tageslicht sehen verlassen wir eine wundersame Welt aus Tropfgeräuschen und lebendigen Sternen. Auf dem Rückweg begegnet uns ein älterer Herr dem wir unsere Taschenlampe leihen. Was uns ebenfalls auf dem Rückweg auflauert ist der Gipfel des Berges den wir soeben durch den Tunnel abgekürzt hatten. Natürlich suchen wir auch noch das letzte bisschen Zauber dieses einmalig schönen Plätzchens und finden den auf der Karte markierten Aussichtspunkt.

Zurück beim Zeltplatz ist es noch nicht zu spät auch den zweiten wesentlich kürzeren Wanderweg zu beschreiten. Wir finden ein angekettetes Skelett in einer Höhle die vermeintlich als Ausnüchterungszelle für betrunkene Bergarbeiter gedient hat. Ob sich da wohl ein Neuseeländer einen Spaß erlaubt hat?

Der nächste Morgen beginnt mit der Überquerung einer Furt, selbes Spiel wie in Rumänien: Ein Weg ist eingezeichnet, aber der Fluss quert den Weg ohne eine Brücke. Wir nehmen die direkte „Abkürzung“ quer über die Coromandel Halbinsel, mit einem Anstieg der von weiter Weg wie eine 180° Steigung aussieht. Nach über einer Stunde bergauf fahren ist es endlich soweit, es geht bergab! Für gute drei bis fünf Kilometer rollen wir mit einem Affenzahn den Berg runter. Ein gutes Brunch in Thames und wir erfahren, dass es von hier bis Te Aroha eine alte Eisenbahnstrecke gibt, die zur Fahrradstraße umgebaut wurde, perfekt! Von nun an geht es nur noch geradeaus. Wir halten noch zwei weitere male an. Einmal in Paeroa, weil plötzlich ein Radfahrerauflauf auf unserem Weg liegt. Paeroa ist der Ort aus dem der nur in Neusseland bekannte Weltberühmte L&P Fizzy Drink stammt. L&P steht für Lemon (Zitrone) und Paeroa. Der nächste Stop ist in Te Aroha, als Jana schon langsam quengelig wird, wir schauen uns noch kurz den alten Bahnhof und den weltweit einzigen Heißwasser-Soda-Geysir an; nicht sehr beeindruckend. Als wir Abends im Opal Springs Campingplatz ankommen haben wir 110 km hinter uns gebracht und können uns in die Campingplatz eigene heiße Quelle setzen. Auserdem hat dieser Zeltplatz einen eigenen kleinen Hühnerstall. Also wird es frisches Bio-Ei zum Frühstück geben.

Am nächsten Tag trennen sich unsere Wege erstmal, denn Jana geht nach Hobbiton! Und Felix verbringt den Vormittag auf dem Zeltplatz. Hobbiton ist das wundersüße Filmset aus den Filmen von „Herr der Ringe“ und „der Hobbit“. Die Tourguides erzählen lauter kleine Anekdoten aus dem Filmprozeß. Zum Beispiel stand gar nicht im Skript, dass Gandalf sich in Frodos zu hause den Kopf stößt, aber er ist in seiner Rolle geblieben und so haben sie die Aufnahme verwendet. Auch die Türgrößen der Hobbithäuser sind alle unterschiedlich und wurden verwendet je nachdem wer davor stand (Hobbit-Riesentür, Mensch-kleine Tür, Zauberer-winzige Tür). Zum Abschluss gabs mit der Gruppe noch einen guten Cider im echten „grünen Drachen“ (die Schenke aus dem Film).

In der Stadt Matamata treffen wir uns wieder und wir treffen noch Jemanden wieder! Melissa und Erich, die Amerikaner die wir im Pourangi Weingut kennengelernt haben, wollen auch auf einen Hobbiton Ausflug. Wir essen zusammen Mittag bis es Hobbiton-Zeit für unsere amerikanischen Freunde ist.
Felix hat in unserem Reiseführer eine geheime heiße Quelle entdeckt, deren Aufenthaltsort nicht mit GPS-Koordinaten angegeben, sondern durch ein Gedicht beschrieben ist. Der Forscherdrang ist sofort geweckt und mit freundlicher Hilfe der Bibliothekarin in der Matamata Gemeindebibliothek finden wir eine genauere Beschreibung des Aufenthaltsortes der „geheimen Quelle“. Am Abend begucken wir Sterne in unserem Campingplatz hot Pool und freuen uns schon auf das nächste Abenteuer.

Der nächste Tag lockt mal wieder mit einer „Abkürzung“. Im Navi ist eine Straße eingezeichnet mit der wir parallel zum Highway fahren und noch einen Abstecher zur „Blue Spring“ (deut. blaue Quelle) machen könnten. In einer Rockerkneipe die wie das Hells Angels Hauptquatier aussieht treffen wir ein paar nette Biker die im Internet für uns einen Beitrag finden, dass die Straße durchaus befahrbar sei. Wir fahren also zur Blue Spring aus der 70 % des abgepackten Trinkwassers in Neuseeland kommt. Die Quelle ist atemberaubend schön und man kann sogar baden in dem 11°C kalten Wasser. Felix lässt es sich nicht nehmen, ein Pärchen aus Schweden ist schließlich schon drin!
Es wird uns immer wieder erzählt, dass die Straße doch nicht befahrbar sei, weil die Waldarbeiter die Straße für Rodungsarbeiten gesperrt haben, also bleiben wir erst einmal hier und wollen an der Blue Spring campen, werden allerdings vor Dieben gewarnt und kommen schließlich im Garten der Landbesitzerin neben der Blue Spring unter. Sie läd uns noch zum Essen mit ihren beiden erwachsenen Söhnen ein; es gibt bestes Lammkottlet. Sie will ein Cafe auf ihrem Grundstück eröffnen da die Blue Spring so viele Besucher anzieht. Die Maori wollen jedoch 10.000 NZ$ von ihr, da sie von einem ihrer heiligen Orte (welcher derzeit dem Department of Conservation gehört) profitieren will. Leider gibt es bezüglich der Maori wenig Rechtssicherheit und so hängt ihr Projekt in der Schwebe. Ihre Söhne erzählen uns das sie heute Nacht Opossums schießen, ein sehr beliebter Volkssport in Neuseeland. Auf unserem Nachtspaziergang zur Blue Spring begegnen wir dann auch einem Opossum.

Schließlich sehen wir ein, dass wir die Abkürzung nicht nehmen sollen und fahren auf dem Highway nach Rotorua und umrunden erstmal den großen See von Rotorua. Es lockt uns der auf halben Weg liegende „Hamurana Rundweg“. Felix übersieht dann auch mal locker das Schild „NICHT IN DER QUELLE BADEN“ und springt in die Hamurana Quelle, die größte Quelle der Nordinsel. Ein WOW-Erlebnis folgt dem nächsten. Wir sehen riesige Redwoods (deut. Mammutbäume) und die dancing-sand-spring (deut. tanzender-Sand-Quelle), die genau das tut was der Name verspricht. Klingt nach einer Mordswanderung ist aber weniger als 1km vom Parkplatz bis zurück zum Parkplatz.

Absolute Spitzenüberraschung beim Hamurana Rundweg war die Quelle, die den Sand zum tanzen brachte.

In Rotorua wohnen wir im „Crash Palace“, ein sehr sauberes Hostel, mit gemütlichen Matrazen und einem heißen Whirlpool. Als wir ankamen hat es geregnet und kaum hat Felix den Pool erblickt enspannte er auch schon mit drei hübschen Mädchen darin, während Jana fertig eincheckte. Was kann es Schöneres geben?

Die ganze Stadt wurde auf einem riesigen Geothermalfeld errichtet. Rotorua stinkt also erbärmlich nach Schwefel, es dampft, blubbert und kocht aus allen Ecken. Gelbe Schwefelkristalle haben sich an vielen Kratern abgesetzt und der Schwefel verfärbt das Wasser zu einem milchigen Grau. Inmitten von Rotorua gibt es ein traditionelles Maori Dorf. Hier hat jeder seinen eigenen kleinen Hotpool, Mudpool, Geysir oder einfach nur einen heißen Stein im Garten. In der Te Puia Touristenmühle dient der Phutu Geysir, der bis zu 20 Meter Wasser in die Höhe spuckt, als wichtigste Attraktion. Um dieses Naturschauspiel umsonst zu sehen besteigen wir den „Waka Rewa Rewa Aussichtspunkt“. Von hier aus kann man den gesammten Te Puia Park überblicken. Ein netter Schotte aus unserem Hostel begleitet uns auf dem Weg nach oben. Dieser Geysir spielt mit 20 Metern noch nicht in der Liga der wirklich beeindruckenden Geysire aber „Wow. Ein Geysir. Toll. …“. Der Wanderweg zum Aussichtspunkt war sehr schön.
Abends verwöhnt unser Hostel uns noch mit kostenlosem Grillgut und wir nehmen Abschied von dem einfachen, aber angenehmen heißen Pool.