Felix und Jana im Wunderland (19.03. – 27.03.)

Ein Kaleidoskop von Farben erwartet uns auf dem Regenbogenberg und einer Quelle mit dem Namen „Malerpalette“. Die Vielfalt spiegelt sich auch in den unzähligen heißen Quellen wieder die wir mit neuen und alten Freunden austesten, darunter, Kerosine Creek, Heiß-Kalt-Quelle, Waikite Tal Quelle und die geheime Quelle, die wir durch Bibliotheksrecherche herausgefunden haben. Unser Fahrradtrip endet am Lake Taupo, dem größten See von Ozeanien und Südostasien.

Schon seit ein paar Tagen eiert Felix Hinterrad. Das Fahrrad muss es nur noch knapp 80 km bis Taupo schaffen, also sparen wir uns die zeitaufwändige Reparatur. 3 Kilometer aus Rotorua raus bricht dann eine Speiche. Sein Fahrrad ist nicht für das Tragen großer Lasten gemacht und eiert jetzt ganz ungesund. Wir müssen leider umkehren und die nächsten Stunden in einem McDonalds auf die Werkstatt warten. Immerhin haben wir hier die beste Internetverbindung seit langem. Am Nachmittag ist das Rad repariert und wir starten unseren zweiten Abschied von Rotorua.

Wir haben vor so viele heiße Quellen wie möglich zu bebaden. In einem kleinen Bogen geht es über Berg und Tal zum Waikite Vally (deut. gefundenes Wasser Tal). Dort blubbert kochendes Wasser aus einem ca. 3 mal 3 Meter großen Kessel. Das heiße Wasser wird über mehrere Terassen abgekühlt und am Ende in einer himmlischen Badeanlage verwendet. Zu dieser Anlage gehört zu unserer Freude auch ein Campingplatz. Sie sind zwar offiziell ausgebucht, aber natürlich findet sich für zwei nette Reiseradler immer ein Plätzchen Wiese. Sowohl am Abend als auch früh morgens genießen wir die entspannende Wirkung des heißen Wassers.

Kaum sind wir losgefahren gibt es wieder eine Mördersteigung. Wir strampeln ordentlich rein und Jana steigt sogar ab. Bei Felix bricht eine Speiche… ABER! Es ist ein Glücksfall, denn sonst hätten wir uns wahrscheinlich niemals umgedreht um diesen riesigen, tollen, wunderschönen Regenbogen über dem nebelverhangenem Tal zu sehen. Das Rad eiert nur ein kleines bisschen und wir fahren über ein Bergplateau mit ganz vielen Schafen.

Der Lady Knox Geysir steht ebenso wie ein beeindruckendes Schlammloch vor den Toren des Großartigen Wai-O-Tapu geothermal Wunderlandes. Jeden morgen um 10:15 Uhr wirft ein Mitarbeiter des Geothermalparks ein paar Brocken Seife in den Schlot des Lady Knox Geysirs und hunderte Schaulustige erfreuen sich an der darauffolgenden induzierten Erruption. Da wir früh los sind schaffen wir es noch rechtzeitig zum Ausbruch. Nachdem die große Fontäne vorbei ist verschwinden die meisten Besucher auch bald wieder, der Geysir spuckt noch c.a. eine Stunde kleine Wassermengen aus dem Krater.

Dank unserer Detektivarbeit in der Bibliothek von Mata Mata wussten wir auch von einer geheimen heißen Quelle direkt neben dem Lady Knox Geysir. Wir finden sie und zunächst haben wir noch die Gesellschaft von zwei Leuten aus der Umgebung, die uns ein paar Sicherheitshinweise zum Baden in natürlichen Quellen geben und dann …Ahhhhh ganz allein mitten im Dschungel lassen wir uns den heißen Wasserfall auf den Rücken prasseln.

Hungrig kehren wir in die Wai-O-Tapu Taverne ein. Die Wai-O-Tapu Taverne beheimatet einen geselligen (Biertrinker) Stammtisch ist aber auch für Reisende der ideale Ort um nach oder vor einem anstrengenden Tag im Wai-O-Tapu Geothermalfeld einzukehren. Fish’n’Chips sind gut und kosten nur 5 $. Auch übernachten können wir hier auf der Wiese hinter dem Haus.

Nach unserem Mittag gehen wir endlich in das Wai-O-Tapu geothermal Wunderland. Es ist eine der Hauptattraktionen in Neuseeland und tatsächlich sein Geld wert. Hier befinden sich vor allem sehr fotogene, farbige und dampfende Seen und Erdlöcher. Siehe Fotos.

Anschließend kehren wir wieder in unserer neuen Stammkneipe der Wai-O-Tapu Taverne ein. Da Kneipen auch ein Ort der Begenung sind begegnen wir Hannes und Isa, einem Pärchen aus Deutschland und Max und Miri, ebenfalls Deutsche, die zusammen reisen. Als wir vorschlagen Nachts in der Heiß-Kalt Quelle zu baden, ist Isa sofort Feuer und Flamme und Hannes braucht ein wenig Überredung. Zu viert und mit einem ausreichendem Vorrat an Bier marschieren wir los und finden die Quelle auch bei Nacht recht gut besucht. Neben einigen Touristen treffen wir eine Gruppe junger Maoris, die schon stark angetrunken wirken und sie erklären uns, dass sie hier heute Abend den Abschied von einer Freundin gefeiert haben. Ihre Freundin geht für mehrere Monate auf eine schwimmende Fischfabrik und filetiert Thunfisch.

Hannes und Isa verabschieden sich. Wir wollen mit Max und Miri noch zur dritten heißen Quelle, im Wai-o-Tapu Geothermalfeld fahren. Max und Miri haben beim Lady Knox Geysir noch Nir aus Israel kennen gelernt und bringen ihn ebenfalls mit zum Schlammloch und anschließend zur heißen Quelle, mit dem Namen Kerosin Creek. Hier mussten wir feststellen, dass dieser nette junge Jude einen schrägen Humor hat. Er wollte einfach nicht mehr aufhören einen Holokaustwitz nach dem anderen zu reißen. Da der Kerosin Creek kleine Mengen Rohöl enthält und man danach stinkt fahren wir anschließend noch einmal mit der kleinen Gruppe zur Heiß-Kalt Quelle um uns wieder sauber zu waschen.

Bereits vom Parkplatz am Kerosin Creek aus haben wir den Regenbogenberg gesehen und hatten auch schon davon gelesen. Der Regenbogenberg ist ein Berg aus verschieden gefärbten Erden: Weiß, Tiefrot, Rosa, Gelb, Braun und Schwarz. Nach dem Bad in der Heiß-Kalt Quelle ist es schon spät, aber wir und vor allem Nir haben noch Bock eben den Berg hochzurennen. Die Aussicht oben ist fantastisch. Auf dem Rückweg verpassen wir leider die richtige Abzweigung und müssen noch einmal ein ganzes Stück zurück und laufen schließlich im Dunklen den Berg wieder hinab. Die Dunkelheit enthüllt, dass auch hier direkt am Wanderweg in einer kleinen Erdniesche Glühwürmer leben. Dabei fällt Felix ein, dass er seine Badehose am Kerosin Creek liegen gelassen hat, aber da es schon dunkel ist bleibt sie auch dort.

Fazit: In zwei Tagen haben wir in 4 verschiedenen heißen Quellen gebadet, einen Geysir, sowie weitere surreale Erscheinungen bewundert und einen Berg im Eiltempo bestiegen.

Am Tag unserer Abreise von der Wai-O-Tapu Taverne lassen wir uns Zeit mit dem Packen. Die Kneipe macht erst um 13 Uhr auf, aber es taucht bereits um 11 der erste Stammgast auf und erzählt, dass er sein Bier braucht. Während wir einfach die 2 Stunden mit ihm vor einer verschlossen Kneipe auf das erste Bier warten, erzählt er uns davon wie er schon mal ein Ufo gesehen hat. Er ist auch professioneller Fotograf und da er seine Kamera immer manuell einstellt, hat es einfach zu lange gedauert die Kamera aufzubauen, als dass er ein ordentliches Foto hätte machen können. Aber er schwört, dass das Ufo nur wenige Meter riesengroß über ihm schwebte.

Wir hätten ewig in der Wai-O-Tapu Taverne bleiben können, aber wir brechen auf in Richtung Taupo. Über eine schöne Nebenstraße geht es über Reporoa, wo es natürlich gute Fish’n’Chips gibt und die nächste heiße Quelle, der Butchers Pool ist nicht weit. Der Butchers Pool ist ein netter Pool in mitten einer Wiese, der vor allem von den Einheimischen besucht wird. Eine Gruppe junger Maori hängt am Poolrand rum, sonnt sich und wir treffen Marie und Luke. Marie kommt aus Taupo und stammt ebenfalls von Maoris ab. Sie bietet uns an, dass wir einfach mal bei Ihr vorbei schauen können, wenn wir in Taupo sind. Sie hat auch genug Platz zum Zelten in ihrem Garten.

Auf dem weiteren Weg am Rande der Broadland Settlers Road entdecken wir noch ein riesiges dampfendes Erdloch direkt am Straßenrand. Felix ist fasziniert.

Endlich in Taupo angekommen stellen wir fest, dass Ostern vor der Tür steht. Für heute haben wir noch eine tolle Jugendherberge, jedoch über das Osterwochenende sind alle Unterkünfte in Taupo ausgebucht. Somit überlegen wir auf das Angebot von Maria zurück zu kommen oder einfach auf den berühmt berüchtigten kostenfreien Campingplatz „Reids Farm“ zu ziehen. Ganz nebenbei können wir in Taupo endlich Felix’s gebrochene Speiche nun zum zweiten Mal reparieren. Im Wesentlichen wird es auf regelmäßiges Umziehen in Taupo hinauslaufen.

Es regnet wie verrückt und wir entschließen zunächst bei Maria unterzukommen, denn sie wirkte wirklich sehr nett. Bei Maria angekommen stellen wir fest, dass dies ebenfalls ein „Tinny House“ ist, d.h. hier wird Marihuana verkauft. Maria lebt hier mit ihrem Sohn und zwei weiteren jungen Männern, die zur Untermiete wohnen. Sie erzählt uns von den verschiedenen Gangs auf Neuseeland: Die verschiedenen Gruppierungen haben jeweils eine bestimmte Farbe, so gibt es die Roten, die Blauen, die Schwarzen und natürlich die Hells Angels, so wie fast überall. Sie selbst war mal mit einem Mitglied der Roten Gang verheiratet.

Am Nachmittag erscheint ein weiterer junger Mann, der offensichtlich einen Disput mit einem von Marias Mitbewohnern hat. Er geht mit einem Messer auf Ihn los. Maria erzählt, dass er auch mal hier gewohnt hätte, sie ihn aber wegen seines Tempraments irgendwann rausgeschmissen hat. Maria schenkt uns einen „Tinny“ also ca. 1 g Cannabis. In der Nacht finden wir viele kleine, schwarze Käfer in unserem Zelt, die offensichtlich in der Wiese hier leben, also beschließen wir am nächsten Tag umzuziehen. Für eine Nacht in ein Hostel.

Der Taupo See ist der größte See von ganz Australien, Asien und sämtlichen Pazifischen Inseln. In Taupo gibt es eine lange Promenade am Seeufer für romantische Spaziergänge/Spazierfahrten mit dem Rad. Vom Balkon des Tiki Hostels aus können wir sogar noch mehr vom See überblicken. Bei klarer Sicht könnte man sogar den Tongariro Berg am anderen Ende des Sees sehen und hätte einen unverhangenen Blick auf den Sonnenuntergang. Aber auch mit Wolken ist es ein schöner Anblick. Es gibt noch einen weiteren Aussichtspunkt etwas weiter weg vom See auf einem Hügel.

Der Tongariro Berg ist ein Vulkan und es gibt einen Wanderweg von einer Seite auf die andere, die sogenannte Tongariro Überquerung. Es ist einer der großen Wanderwege Neuseelands. Es gibt Leute, die nur deswegen nach Neuseeland fliegen. In den Hostels sitzen viele Leute, die diese Wanderung machen wollen, jedoch ist das Wetter nicht wirklich optimal. Der Shuttlebus ist völlig überteuert und auch die Wanderbedarfsausstatter ziehen Touristen gnadelos übers Ohr und verkaufen völlig unnötige Ausrüstungsgegenstände mit der Behauptung, dass dies unbedingt erforderlich sei. Wir verzichten, denn wir haben immer wieder gehört und gelesen, dass die Tongariro Überquerung bei schlechten Wetterbedingungen einfach eine lange Wanderung im Nebel ist. Bei klarer Sicht ist die Aussicht auf den Vulkankrater und die verschiedenen Kraterseen atemberaubend. Während unserer 6 Tage in Taupo ist das Wetter leider nicht mehr wirklich aufgeklart.

Eine weitere Hauptattraktion mit chinesischen Touristengruppen sind die Hukka Wasserfälle. Der Waikato Fluss ist Zufluss und Abfluss des Taupo Sees. Sein Wasser ist kristallklar und blau.Nur wenige Kilometer flussabwärts vom Taupo See zwängt er sich durch eine 15 m breite Enge und stürzt 11 m in die Tiefe. Hukka bedeutet in der Sprache der Maori so viel wie „Schaum“. Noch ein kleines Stückchen weiter flussabwärts sind die Aratiatia Stromschnellen; ebenso faszinierend aber ohne chinesische Touristenbusse. Bei den Aratiatia Stromschnellen wird der Waikato Fluss zur Stomerzeugung angestaut und die Stromschnellen werden 3 mal täglich zur Belustigung der Zuschauer geflutet, die restliche Zeit schaut man hier in eine wasserleere Schlucht. Wir sind zunächst der Straße zu den Stromschnellen gefolgt und haben das Schauspiel einmal von allen vorhandenen Aussichtsplattformen aus beobachtet. Dank unseres Reiseführers haben wir auch noch einen ganz privaten Aussichtspunkt am Ende der Stromschnellen gefunden, an dem man sogar nass wird. Anschließend ging es auf dem abenteuerlichen Mountainbike-Trek stromaufwärts zu den Hukka Wasserfällen und schließlich noch zum Abschluss in den Spa Park, eine weitere natürliche heiße Quelle, die in den Waikato Fluss mündet. An der Stelle, wo die Flüsse zusammen fließen ist es sehr flach aber angenehm warm. Etwas weiter in Richtung der heißen Quelle ist es fast unangenehm warm. Und es Regnet.

Mittlerweile sind wir mit unserem Zelt auf die berühmt berüchtigte „Reids Farm“ gezogen. Ein Kommentar aus unserer Zeltplatzapp sagt: „Wenn du vor hast dich mit jungen Deutschen zu betrinken ist das der Ort dafür, wenn du das nicht möchtest lauf, mein Freund, lauf weg!“. Ganz so schlimm war es dann doch nicht, wir hatten jedenfalls ordentlich Cider eingekauft und auch Hannes und Isabell, mit denen wir schon in der Heiß-Kalt Quelle bei Wai-O-Tapu baden waren, zufällig hier wieder getroffen. Ein Regenschauer beendet unser gemütliches Beisammensein noch bevor der Cider alle ist.

Eine Touristenattraktion auf dem großen Taupo See sind die Maori Felsschnitzereien, welche man nur von einem Boot aus sehen kann. Das sagen zumindest die Leute, die Bootstouren verkaufen. Es gibt den Wanderpfad zum Whakamoenga Point, ein wunderschöner Steinstrand. Von hier aus sind es ca. 200 m zu schwimmen und man befindet sich direkt vor dem berühmten Gesicht im Fels. Die Schnitzereien sind erstaunliche 40 Jahre alt und das Wasser im Taupo See ist kühl, aber ebenso klar wie der Waikato Fluss. Man kann über 30 Meter weit unterwasser sehen und die Felsformationen sind auch unter der Wasseroberfläche beeindruckend. Auf dem Wanderpfad gibt es zwei Höhlen und eine kleinere Steinschnitzerei.

Wir sind mit dem Fahrrad hier und haben mal wieder enormes Glück. Auf dem Rückweg kommen wir mit einer netten älteren Frau ins Gespräch. Sie bietet uns an unsere Räder auf der Ladefläche ihres Fahrzeugs und uns mitzunehmen. Ihr Mann ist sehr engagiert im Bereich Geothermalenergie. Sie vermessen und bewerten potentielle Standorte für Geothermalkraftwerke, fahren auf internationale Konferenzen zum Thema und sind bestens informiert über den aktuellen Stand der Entwicklung. Zur Zeit gibt es schon einige Kraftwerke in Neuseeland und sie kennen auch noch etliche Quellen die für ein Geothermalkraftwerk in Frage kommen. Sie bringt uns bis vor die Tür unseres Hostels.

An unserem letzten Nachmittag in Taupo bewundern wir noch gemeinsam mit Katja einem Mädchen aus unserem Hostel den Sonnenuntergang, vernichten die letzten Alkoholreste und auch die letzten Krümel Gras werden verraucht. Jana schaut sich den letzten Teil von Herr der Ringe an; das scheint in Neuseeland der einzige Film zu sein den Reisende sich anschauen. Da sie bei allen Szenen in denen Frodo so leidend schaut vorspult wird sie von einem Bewohner als „Bossy“ bezeichnet. Ich kann nur sagen sie weiß halt was sie will…