Das GREAT BARRIER REEF und die fliegenden Sparfüchse (19.04 – 27.04.)

Cairns ist das Mekka für Taucher, und unser Ziel für die nächsten 2 Wochen hier ist klar: Tauchschein machen und das Riff genießen. Wir logieren im billigsten Hostel der Stadt und während Jana aus gesundheitlichen Gründen noch etwas warten muss, absolviert Felix schon mal den Kurs.

Tauchen im Great Barrier Reef war unser Hauptgrund Australien zu besuchen und dementsprechend erhalten wir direkt am Abend in unserem neuen Hostel, dem Cairns City Backpackers, gute Tipps um kostenlose Tauchgänge zu machen. Am zweiten Tag in Cairns gehen wir sofort zu dem Tauchshop bei uns um die Ecke und versuchen einen Platz als Freiwilliger Helfer auf ihrem Tauchboot zu bekommen. Das bedeutet, dass wir etwa 2 Stunden lang während der Bootsfahrt Geschirr spülen und dafür können wir auf dem Riff zwei kostenlose Tauchgänge mitmachen; ein fairer Deal. Wir werden erst einmal vertröstet. Am Nachmittag telefoniert Felix dann systematisch alle Tauchshops der Stadt durch um weitere Angebote für freiwillige Helfer zu finden.

Jana plagen schon seit ein paar Tagen Ohrenschmerzen und hinter dem linken Ohr ist ein kleiner Knubbel zu fühlen. Sie möchte so nicht tauchen gehen und wir nutzen in Cairns endlich die Gelegenheit mal zum Arzt zu gehen. Besonders vertrauenserweckend und kompetent wirkte dieser Arzt nicht gerade.

Am nächsten Morgen wurden wir endlich von den Deep Sea Divers als Volunteers angenommen, haben unsere Crew Shirts und je einen Platz auf dem Boot für den 26.04 und den 28.04 bekommen. Den Rest des Tages verbringen wir damit uns einfach mal ein bisschen die Stadt anzuschauen, erkundigen uns in verschiedenen Geschäften nach Unterwasser Fotografie Lösungen. Dabei stolpern wir auch über das kleine Unternehmen Reef Teach, welches jeden Abend in gemütlicher Atmosphäre Wissen über die Meeresbiologie im Riff vermittelt. Bei einer der zahlreichen Reiseagenturen hier lassen wir uns bequatschen und buchen für Jana einen Tauchkurs beim lokalen Discount Anbieter. Allerdings ist bei denen gerade das liveaboard Boot, welches permanent auf dem Riff bleibt und wo man für den Tauchkurs übernachtet, defekt und man verspricht uns dass es rechtzeitig wieder fit sein wird.

In Cairns gibt es auch eine künstliche Lagune, wie in vielen Australischen Küstenstädten, denn Baden im Meer ist hier wegen der Würfelquallen, der Bullenhaie, der Salzwasserkrokodile und Seeschlangen einfach zu gefährlich. In der Abenddämmerung erwacht hier langsam in verschiedenen Bäumen eine riesige Kolonie der Australischen Riesenfledermäuse (flying Foxes) und in anderen Bäumen finden sich die Rossellas zur Nachtruhe ein. Der abendliche Vortrag bei Reef Teach ist informativ und interessant und absolut empfehlenswert. Wie lernen die verschiedenen Arten von Korallen kennen, sodass wir identidizieren können ob es sich um ein „Gehirn“, eine Seeanemone oder eine Lederkoralle handelt. Auch verschiedene Formen von Fischen werden erklärt. Ein super Gefühl und wesentlich mehr Spaß, wenn man statt „Fisch“ den richtigen Namen sagen kann!

Am dritten Tag in Cairns verbringen wir endlich mal einen Tag im Hostel und lernen die übrigen Bewohner etwas besser kennen. Es sind einige Tauchlehrer, die hier logieren. Unsere Zimmergenossen Alexis und Maggin sind zwei super nette Franzosen. Die Beiden reisen nach einigen Tagen jedoch zusammen Richtung Norden ab um in einer anderen Stadt zu arbeiten. Unsere neuen Zimmergenossen sind Jack, ein unheimlich patriotischer Engländer der den Traum hat Dokumentarfilmer wie Sir David Attenborough zu werden und Jessica, eine extrem witzige Deutsche, die ihren Trip die „Great Ocean Road“ runter noch vor sich hat und auch lieber ein Buch liest, als sich das Great Barrier Reef anzugucken. Da Felix einige Tage früher seinen Tauchkurs macht, hat sich Jana mit diesen Beiden lieben Menschen vergnügt. Vergnügen bestand in diesem Falle darin zusammen zum nächsten Pizzaliferanten zu gehen und bis spät in die Nacht Serienmörder und Papstwitze zu machen. Aufgepeppt haben das Hostelleben auch zwei gute Freunde aus Finnland die eigentlich jeden Abend beim gemeinsamen Biertrinken zu finden waren. Und dann sind da noch etwas merkwürdige Charaktere wie z.B. Jonathan der Drogendealer, ein Typ aus Australien in seinen Vierzigern, der seinen Lebensunterhalt damit bestreitet in Hostels Drogen an Touristen zu verkaufen, aber er kann bisweilen auch sehr unterhaltsam sein. Sky war ebenfalls etwas älter als die meisten Gäste, sie erzählt jedem, der es hören möchte oder auch nicht von Ihrer Midlife Crisis. Und schließlich ist da noch Mike ebenfalls über 40 Jahre alt, der hier im Hostel eingezogen ist, da er sich mit seiner Mutter verkracht hat. Eigentlich schade, dass nur die außergewöhnlichen Persönlichkeiten so einen bleibenden Eindruck hinterlassen, denn es gab auch noch eine ganze Reihe von netten jungen Reisenden und Work and Travelern. Jana macht sich bei dem Stammtisch beliebt weil sie jedem der möchte mit unserem restlichen Henna aus Indien ein Henna Tatoo auf die Hand malt, während Felix versucht jeden davon zu überzeugen, dass es eine großartige Idee sei sich das Gesicht mit Henna bemalen zu lassen. Nach ein paar Tagen fühlte sich der all-abendliche Stammtisch im Hinterhof des Hostels auch schon richtig wie ein Stück Heimat an.

Am 22.04 fängt Felix` 6 tägiger Tauchkurs mit dem lokalen Budgetanbieter Cairns Dive Center an. Da das liveaboard Boot zur Zeit defekt ist geht es nach zwei Tagen Poolübungen für zwei Nächte und drei Tage auf die Fitzroy Insel. Gleich bei der Ankunft sieht Felix vom Anlegesteg aus die Shilouette eines Hais im Wasser. Während der Poolübungen war noch ein junges Mädchen mit beim Kurs, sie hatte bei der Medizinischen Selbstauskunft angegeben, dass sie mal eine Operation am Ohr hatte und wurde dementsprechend zur Tauchtauglichkeitsuntersuchung geschickt. Diese Untersuchung kostet 80 Australische Dollar (~50€) und sollte Klarheit bringen. Im wesentlichen bekam sie ihr Zertifikat vom Arzt und stellte dann erst am ersten Tag im Pool fest, dass sie tatsächlich nicht in der Lage ist einen Druckausgleich zu machen und ihre Ohren schon bei 5m Tiefe schmerzen. Zu ihrer Enttäuschung, dass sie leider doch nicht Tauchen kann kam dann auch noch ein etwas uneinfühlsamer Manager im Laden, der ihr das Geld für den Tauchkurs nicht zurück erstatten wollte und sie anmaulte, sie solle sich nicht so anstellen. Auch Ihre Ärztin in Deutschland hatte ihr bestätigt, dass die Operation an ihrem Ohr Tauchen für sie unmöglich mache.

Glücklicherweise ist der Tauchlehrer, der die Poolübungen gemacht hat Krank geworden und auf der Fitzroy Insel erwartet uns Alex, ein wirklich unterhaltsamer Brite, der Abends bei ein paar Bier einige Einblicke in das Leben als Tauchlehrer gibt. Viele der Tauchlehrer sind Reisende, die sich einfach wo auch immer sie sind sich als Tauchlehrer Ihren Lebensunterhalt verdienen. Alex erzählt auch wie schwer es ist als Tauchlehrer ständig junge hübsche Mädchen in Bikinis zu sehen und dass er auch regelmäßig unmoralische Angebote von Teilnehmerinnen bekommt. Es wirkt also wie der absolute Traumjob für Männer.

Da ganz entgegen der Erwartungen der Tauchkurs auf Fitzroy auch für diejenigen, die hier übernachten erst um 10 Uhr los geht, geht Felix vor dem Start des Tauchkurses am ersten Morgen noch für eine Stunde Schnorcheln und findet gleich 2 Schildkröten, eine ältere, die gemütlich tote Korallen zerkaut und eine jüngere. Am zweiten Morgen besteigt Felix den höchsten Gipfel der Insel und läuft fast einmal um die Insel herum bevor der Kurs endlich startet. Die Aussicht war wirklich wunderschön.

Das Tauchen auf Fitzroy war schrecklich, da wir in den drei Tagen auf der Insel Sichtweiten zwischen einem und fünf Metern hatten. Das bedeutet, man konnte die Hand vor den Augen kaum sehen. Am letzten Tag des Tauchkurses geht es auf einen Tagesausflug von Cairns aus zum Briggs Riff. Hier ist die Sicht unter Wasser deutlich besser. Auf dem Tieftauchgang im „Goldfischglas“ sieht Felix zum ersten mal wilde Haie. WOW.

Janas Great Barrier Reef Erfahrung startet als sie wieder halbwegs gesund ist, mit der Volunteering-Tour von Deep-Sea-Divers-Den. Zusammen mit Johannes, einem zweiten Volunteer, beginnt der Dienst des Gemüse Schnippelns und Geschirr Spülens. Dann sind wir draußen auf dem Riff. Unglaublich schön und jeden gespülten Teller wert! Mit dem eigenen Schnorchelequipment geht es zum ersten Mal in dieses riesige Naturspektakel aus unzähligen bunten Fischen und Korallen. Die Schnorchelinstruktorin findet eine große Schildkröte und wir beobachten wie sie gemütlich unterm Riff sitzt und dann los schwimmt. Auch Nemo begegne ich in ca. 5 Meter Tiefe und mache für ein anderes Mädchen, dass nicht so gut Tauchen kann einige Fotos mit ihrer Unterwasserkamera. Beim Zurückschwimmen zum Boot taucht Jana noch ein bisschen am Rand des Riffs, wo es steil in die Tiefe geht entlang und sieht dabei das Highlight, einen großen Napoleon Lippfisch!

Janas Ausflug mit Deep-Sea-Divers-Den war einen Tag bevor Felix von seiner Insel Erfahrung wiederkommt. Sie macht noch einen Ausflug ins City Center und genießt die künstlich angelegte Lagune von Cairns. Abends wird eine lange Fotosession mit den fliegenden Füchsen eingelegt. Da Felix mit Cairns Dive Center nicht zufrieden war, haben wir am nächsten Tag dann Janas Ausflug mit CDC storniert und stattdessen einen Kurs bei ProDive gebucht, einer Deluxe Tauchschule mit super netten Tauchlehrer!