Abkürzung quer durch Rumänien (13.10. – 21.10.2015)

In Rumänien wollten wir nur noch auf dem kürzesten Weg ins Delta und haben uns deshalb die letzten Schlenker der Donau geschenkt. Dabei konnte uns nur noch eine Erkältung für ein paar Tage aufhalten. Und zum ersten mal überhaupt haben wir einen Host über Couchsurfing gefunden.

Endlich wieder auf rumänischem Boden haben wir direkt erst mal wieder wild gezeltet. Denn hier ist das vollkommen legal. Dass das nicht so eine gute Idee war hat sich schon in der Nacht angedeutet; es wurde verdammt kalt. Am folgenden Tag litten wir beide ein wenig unter Schnupfen. In Oltenița wollten wir dann unbedingt eine gemütliche warme Unterkunft, dumm nur, dass ausgerechnet die Edelpension, in der man uns 110 LEI abgeknöpft hat, gerade keine Heizung hatte. Nach kurzem Aufstand hatten wir unser Geld zurück und eine deutlich günstigere Unterkunft mit Heizung.

Bei Calaraşi haben wir zum ersten mal eine Zusage bei Couchsurfing bekommen, von Iulian. Iulian und seine Frau leben bei seinen Eltern in dem kleinen Dorf Dragalina. Sie bauen gerade Ihr eigenes Haus auf dem selben Grundstück. Seit wir den Balkan betreten haben ist er eindeutig derjenige mit den besten Englischkenntnissen gewesen. Auf dem kleinen Grundstück gab es außer den zwei Häusern einen Schweinestall mit zwei Säuen und c.a. 15 Ferkeln, einige Hühner, einen Hund und natürlich einen Garten. Im selben Dorf konnten wir ein wirklich bemerkenswertes Zigeunerhaus bewundern. Politisch korrekt bezeichnet man Zigeuner übrigens als Roma, die Rumänen, Serben und Bulgaren nennen sie Gypsies. Sie haben ihre eigene Sprache, die Sprachwissenschaftler den Mittel-Nordwestindischen Sprachen zuordnen.

In Tandarei kamen zwei Junge Leute ganz unvermittelt auf uns zu und haben sich ein Weilchen in gutem Englisch mit uns unterhalten. Da wir noch eine Unterkunft suchten bot uns direkt ein Herr aus der Kneipe nebenan, der kein Englisch sprach kostenlos ein Zimmer bei sich an. Da Jana diese unerwartete Offenheit der Menschen und der offensichtliche Alkoholismus des Alten etwas unheimlich war sind wir anschließend doch in ein kleines Motel gezogen. Hier haben wir dann auch erst mal unsere Erkältung/Grippe, die wir uns die Tage zuvor eingefangen hatten, auskuriert. Über Topolog ging es anschließend weiter nach Tulcea.

In der Kneipe in Topolog habe Ich abends noch mit einem Typen gesprochen, der eigentlich Arbeitslos ist, gelegentlich in Deutschland gearbeitet hat und in Rumänien eigentlich auch ein EU Projekt leitet. Uns war schon oft aufgefallen, dass in Rumänien und Bulgarien erstaunlich oft der Hinweis „Finanziert aus EU Mitteln“ zu finden ist. Ich habe ihm schließlich dazu geraten, die Nebentätigkeiten einzustellen und sich statt dessen voll auf das EU Projekt zu konzentrieren. So ziemlich jeder kann sich hier einfach mal auf EU Förderung für sein Unternehmen bewerben. Während es in Bulgarien auch noch üblich ist, dass man 10% der Summe für die man sich bewirbt im voraus an den bearbeitenden Beamten übergibt um sicher zu gehen, dass der eigene Antrag auf jeden Fall genehmigt wird, funktioniert das in Rumänien seit einiger Zeit nicht mehr so gut. Spätestens seitdem eine ganze Reihe hochrangiger Politiker wegen Bestechung verhaftet wurden (u. a. der Bürgermeister von Bukarest) scheint sich bei einigen Beamten eine etwas andere Moralvorstellung breit gemacht zu haben.

In Tulcea haben wir im ebenfalls aus EU Mitteln finanzierten Hotel Insula übernachtet. Die Aussicht vom Balkon war traumhaft.

Fahrradwege sucht man in Rumänien leider vergeblich. Dafür sind die Autofahrer, wegen der ganzen Pferdewägen, durchaus gewohnt langsamere Verkehrsteilnehmer zu überholen. Was auf der Karte nach einem Hauptverkehrsweg aussieht kann abseits der großen Städte sehr wohl als Radweg geeignet sein.

3 Gedanken zu „Abkürzung quer durch Rumänien (13.10. – 21.10.2015)“

  1. Liebe Jana und Felix,
    Vielen Dank für Eure Reiseberichte. Wir wünschen euch noch viele schöne Erlebnisse, denn in Gedanken reisen wir mit. Wieviel Fahrrad Kilometer seid ihr schon gestrampelt.
    Viele Grüße von Oma und Opa

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