Fahrräder auf (nimmer?) wiedersehen… (26.10. – 04.11.2015)

Wir fahren an der Schwarzmeerküste entlang nach Constanţa und senden unsere Fahrräder zurück nach hause. Von jetzt an heißt es laufen, Bahn fahren oder fliegen. Ein paar letzte schöne Herbsttage in Rumänien dann beginnt der nächste Abschnitt unserer Reise.

Nach den einmalig schönen Erfahrungen im Donaudelta hatten wir noch nicht genug vom schwarzen Meer. Weiterhin mit dem Fahrrad unterwegs sind wir von Tulcea bis Constanţa immer entlang der Schwarzmeerküste gefahren. Unsere Tour führte uns wie erwartet durch noch ein bisschen mehr Schilflandschaft, vorbei an der Razim und Shinoe Lagune und einer alten Burgruine bei Enisala. Bei der ältesten griechischen Siedlung am schwarzen Meer, Histria, haben wir uns nach einigen Kilometern Feldweg zunächst die ausgegrabenen Ruinen und das Schwarze Meer bei Abenddämmerung angesehen. Leider gibt es an der Westküste des Schwarzen Meeres keine Sonnenuntergänge über dem Meer, und für den Sonnenaufgang schlafen wir für gewöhnlich zu lang. Jana hat dafür aber einen kleinen Fuchs gesehen, und wenig später konnten wir an verschiedenen stellen im Gras immer wieder aufgeschreckte Vögel hören und sehen. Anschließend haben wir direkt vor den Toren der Ausgrabungsstätte gezeltet um am nächsten Morgen nach Constanţa aufzubrechen.

Wir wurden zwar gewarnt, dass der Weg direkt an der Küste nicht für Fahrräder geeignet sein soll, aber wir waren in guten Stimmung und auf Abenteuer aus! Was tatsächlich auf unserem Weg lag, war eine starrsinnige Kuhherde, eine ca. 1 Meter tiefe Furt und schließlich ein riesengroßes Matschfeld. Hinter dem Matsch haben wir dann zum Glück den Weg wiedergefunden, aber wir und unsere Räder waren dreckig von oben bis unten. Doch das Wetter war super und wir guter Dinge da Constanţa jetzt nicht mehr weit war.

Bei der Einfahrt in Constanţa sind wir durch Mamaia gekommen. Außerhalb der Saison ist Mamaia eine riesige Geisterstadt aus Bettenburgen und geschlossenen Touristenfallen. Am Strand haben wir haufenweise schöne Muscheln von Seeschnecken gefunden.

In Constanţa haben wir zum zweiten Mal über Couchsurfing eine Bleibe gefunden. Ein junges französisches Pärchen hat uns bei sich aufgenommen. Abends ging es dann zusammen zum wöchentlichen Couchsurfing Meeting in eine Cocktailbar mit einem begnadeten Cocktailmixer. Hier haben wir herausgefunden, dass auch unsere Gastgeber und ein rumänischer Freund nach Istanbul fahren wollen. Wir haben uns kurzerhand entschlossen mit unseren neuen Freunden aus Constanţa Istanbul zu entdecken. Bevor es los ging wollten wir uns aber noch Bukarest und vor allem das im Dorf Sinai gelegene Schloss Peles angucken.

Mit dem Zug sind wir direkt zum Schloss Peles gefahren. Mit der Geschichte des Schloss Peles hat sich für uns ein Kreis in unserem Reiseabschnitt „Donau“ geschlossen. Der erste Besitzer des Schlosses war Karl der I. von Hohenzollern, geboren in Sigmaringen an der Donau nur eine Tagesetappe von der Quelle entfernt. Er wurde zum König von Rumänien gewählt, nachdem dieses 1878 seine Unabhängigkeit vom Osmanischen Reich erlangte.

Zufälligerweise war am Tag unseres Besuches Halloween und der Geheimtipp neben dem Dracula Schloss „Bran“ war gnadenlos überfüllt. Nichtsdestotrotz haben wir uns die lange Führung zum Studententarif gegönnt. Das Schloss Peles ist faszinierend, da es viele Besonderheiten auf einmal beherbergt. Die Räumlichkeiten sind in verschiedenen Stilen eingerichtet. Eine deutsch gestaltete Bibliothek, ein französischer Durchgang, ein märchenhaftes Musikzimmer und ein türkisches Herrenzimmer haben uns mit original erhaltenen Ausstattungen aus den jeweiligen Ländern beeindruckt. Zudem gibt es in dem Schloss zahlreiche Geheimgänge und Türen die aussehen wie Wandschränke. Witzig war es auch zu entdecken das die Beschriftungen für „warm“ und „kalt“ auf den Hähnen der Badewanne deutsch sind. Von Peles aus ist es nicht mehr weit bis Transilvanien, als Transilvanien bezeichnet man den gesamten nördlichen Teil von Rumänien. Wir haben uns nach diesem Ausflug allerdings wieder südlich nach Bukarest begeben. Dort sind wir für drei Nächste bei unserem Gastgeber George untergekommen. Die Abende mit George waren immer sehr unterhaltsam. Meistens kam er nach hause und war so gebeutelt von der Dummheit seiner Schüler, dass erst mal ein Tuica her musste. Da wir uns eher für Bier erwärmen konnten hat er Felix auch den Satz beigebracht „O Timisoreana pentru mine si o scol pentru nevasta mea!“. Das bedeutet zum einen „Ein Timisoreana Bier für mich und ein Scol Bier für meine Frau.“ und zum anderen „ Ein (Mädchen aus dem Dorf) Timisoreaner für mich damit ich ihn für meine Frau hochkrieg.“ Auf dem Weg zur Free Walking Tour sind wir durch den Gedenkmarsch für die Opfer des Brandunfalls in Bukarest gekommen. Der Unfall ist nur ein Tag bevor wir in Bukarest angekommen sind passiert und war in der ganzen Stadt sehr präsent. Von unserem Tourguide haben wir erfahren, dass die Rumänen die größten Ungerechtigkeiten mit Humor nehmen und dass Vlad der Aufspießer alias „Graf Dracula“ ein großer Fan davon war Menschen bei lebendigem Leib durch den Hintern aufzuspießen. Zudem haben wir uns mit Catalin, einem anderen Couchsurfer, getroffen und er hat uns seine Lieblingsplätze in der Stadt und viele orthodoxe Kirchen gezeigt. Am letzten Tag sind wir mit George und Laura in ein großes Freilandmuseum gegangen. Laura hatten wir auf dem Hof des Merope Projekts kennengelernt und sie war zufällig auch gerade in der Stadt.

Nach einer kurzen, aber wunderbaren Zeit in Bukarest sind wir zurück nach Constanţa gefahren. Unsere Reisegruppe nach Istanbul hatten sich schon Sorgen gemacht, ob wir je wiederkommen. Ein letzter Abend mit Historischer Tour durch Constanţa, noch einem Besuch in der Cocktailbar und wir sind unterwegs nach ISTANBUL ISTANBUL ISTANBUL!

2 Gedanken zu „Fahrräder auf (nimmer?) wiedersehen… (26.10. – 04.11.2015)“

  1. Hallo , ihr Zwei , wieder vielen Dank für den tollen Bericht ! In Gedanken fahre ich mit . Auch weiterhin gute Reise auf Schusters-Rappen , Mietauto usw . Opa Günter hat früher gerne Fahrrad geputzt , Ihr könnt Eure ja hinschicken . . . hi , hi , hi ! Macht’s gut ! Karin & Hannes

  2. Hallo ihr beiden!
    Ihr schreibt immer so wunderschön, dass man sich fast so fühlt als wäre man bei euch. Aber vor allem bekommt man Fernweh.

    Die Bilder sind total schön.
    Übel Spaß in Istanbul. 😀

    <3 denk an euch

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