Istanbul, die kleine Türkei. (09.11. – 17.11.2015)

Nachdem uns unsere Reisegruppe aus Constanţa in Istanbul zurück gelassen hatte, haben wir über Couchsurfing einen richtig tollen Gastgeber gefunden. In den verbleibenden Tagen erfahren wir noch einige weniger bekannte Seiten dieser Mega Metropole.

Mustafa wohnt in dem Stadtteil Fathi. Unser erster Eindruck von seiner Wohngegend war der einer weniger touristischen und mit mehr normalen, günstigen Geschäften und Märkten ausgestatteten Gegend. Später wurde uns allerdings erzählt, dass hier die fundamentalistischen Moslems leben, die alle voll hardcore drauf sind! Uns ist dann auch aufgefallen, dass etwas mehr Mädels mit Burka rumlaufen. Die Segmentierung Istanbuls spiegelt ziemlich genau die einzelnen Regionen der restlichen Türkei wieder. Neu Zugezogene suchen sich immer einen Stadteil, in dem Ihre eigene Kultur dominiert.

Unser Gastgeber ist allerdings ein Freigeist mit konservativer Familie. Er führt zusammen mit seinen Brüdern eine Softwarefirma und ist für die Kundenbeziehungen zuständig. Sein Büro ist relativ weit oben in einem der Bürotürme von Istanbul und sieht aus wie ein richtiges Chefbüro. Als bemerkenswert empfanden wir den Gebetsraum, der das gesamte Erdgeschoss des Büroturms umfasst. Mustafa träumt davon selbst für lange Zeit auf Reisen zu gehen weiß aber noch nicht so recht wie er das seiner Familie klar machen soll, da sich alle im Familienunternehmen auf seine Kundenbeziehungen verlassen. Wir drücken ihm die Daumen, dass er den Absprung schafft.

Mit Mustafa hatten wir sowieso das allergrößte Glück. Wir haben uns sofort heimisch gefühlt in seiner Wohnung und die Sympathie war einmalig. Er hat zwar jeden Tag viel gearbeitet, hat sich aber auch Abends immer Zeit genommen noch was Tolles mit uns zu unternehmen. Am ersten Abend mit ihm zusammen hat er uns zum Beispiel ein tolles Restaurant mit unheimlich scharfem Essen, seinen Lieblingsteegarten und die wunderbar taktische Welt des Backgammon gezeigt.

Dann ging es daran die asiatische Seite zu erkunden. Hier erlebten wir ein mehr studentisches, alternatives Istanbul und einen wunderschönen Sonnenuntergang über dem „Mädchenturm“ (türkisch „Kiz Kulesi“). Um zwischen der asiatischen und europäischen Seite zu wechseln haben wir die Unterwasser-Metro und die Fähre genommen. Am Abend haben wir uns noch mit Franziska und Denise, die zwei Tage länger als unsere Reisebegleiter aus Constanta Urlaub hatten, in einer Shischabar (türkisch „Nargile“) getroffen. Mustafa und eine Freundin von ihm sind auch noch dazugekommen und wir sind zur blauen Moschee gegangen um wunderschöne Fotos bei Nacht zu machen.

Mustafa hat wirklich ein Herz für Reisende, so kam es dass wir uns bald nicht mehr alleine in seiner Wohnung einfanden. Zwei junge Franzosen mit einem Reisebudget von 5€ pro Tag leisteten uns Gesellschaft. Wir kochten ein riesiges Moussakka, so dass wir alle satt und glücklich wurden. Auch Elnaz aus dem Iran hat sich zu unser kleinen internationalen Gruppe noch dazugesellt. Sie hatte echten Safran aus dem Iran mitgebracht und zauberte ein traditionelles iranisches Gericht mit Reis, Hühnchen, Safran und kleinen roten Beeren, die extrem sauer schmeckten. Schließlich waren noch die Franzosen mit Kochen dran und präsentierten mit 2 Stunden Verspätung Spinatcreme, Kartoffelbrei und verschiedene kleine Salat Beilagen. Sie hatten die Tatsache, dass Mustafas Küche nur eine funktionierende Herdplatte hat, etwas unterschätzt.

Mit Elnaz sind wir endlich auf Shopping Tour gegangen. Jana konnte glücklich ihre Sharma Hose (MC Hammer Hose) besorgen und dann auf dem türkischen Basar sogar Stricknadeln und Wolle ergattern. Elnaz hat Jana dann beigebracht wie man strickt und innerhalb von 2 1/2 Tagen war die erste Mütze fertig. Falls sich jetzt Jemand fragt, warum Jana stricken lernen wollte, darf er sich folgende Geschichte zu Gemüte führen:

Vor sehr langer Zeit saß Jana mal in einer Bahn. Sie weiß nicht mehr von wo sie kam oder wohin es gerade ging, aber es war eine sehr lange Bahnfahrt. Ihr gegenüber setzte sich eine junge Frau mit Stricknadeln und Wolle hin. Innerhalb der 8 Stunden Bahfahrt hatte die junge Frau eine wunderbare Mütze gestrickt inklusive zauberhaftem Bommel. Seit diesem Tag wollte Jana gerne stricken lernen. Als sie die Geschichte den Mädels beim „Merope Projekt“ in Bulgarien erzählte, waren diese ebenso begeistert von der Idee Stricken zu lernen und so kam es zu einem „Pinky Swear“; einem Schwur bei dem man, wenn man ihn nicht einhält seien kleinen Finger abschneiden muss… okay, nicht wirklich, aber es ist ein Versprechen! Weihnachten 2016 wollen wir uns gegenseitig gestrickte Mützen schicken, was als Anreiz ausreichen sollte endlich Stricken zu lernen. Und jetzt kann ich stricken! Also hurtig, hurtig Anneliese und Josi!

Es gab ein paar Ungereimtheiten mit unseren Flugtickets nach Dubai, weswegen wir erneut buchen mussten und schließlich 2 Tage länger in Istanbul geblieben sind. Einen ganzen Tag lang haben wir einfach nur bei Mustafa Zuhause verbracht und Nachrichten geschaut. Es war gerade G20 Gipfel in Ankara, und man hat immer wieder Obama, Merkel und Putin gesehen, ab und an wurde auch mal eine Rede von Erdogan übertragen. Als CNN zu langweilig wurde haben wir festgestellt, dass wir auch Al Jazeera empfangen konnten.

An unserem letzten Tag zusammen mit Mustafa hat er uns nochmal aus den Socken hauen wollen. Also sind wir zu einem schönen großen Waldgebiet gefahren, indem er manchmal joggen geht. Er hat uns außerdem eine historische Wehranlage, den Leuchttrum direkt am Eingang zum Bosporus und das goldene Horn gezeigt. Ein fulminanter Abgang für einen aufregenden Besuch in der 14 (inoffiziell 20) Millionen Einwohner Stadt Istanbul.

Ein Gedanke zu „Istanbul, die kleine Türkei. (09.11. – 17.11.2015)“

  1. Hallo ihr beiden!
    Vielen Dank für Eure Reiseberichte. Wir sind in Gedanken bei Euch. Wo und Wie feiert Ihr Weihnachten? Wir sind in Unsleben und werden mit den Eltern in Gedanken bei Euch sein.
    Viele Liebe Grüße von Oma und Opa

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