Zwischen Prestigetürmen und Sklaverei (18.11. – 21.11.2015)

Dubai liegt so ziemlich im Zentrum der Welt und mitten in der Wüste. Hier wird man Zeuge menschlichen Größenwahns und beispielhafter internationaler Zusammenarbeit. Wir werden uns nicht lange hier aufhalten, also wollen wir möglichst viel in kurzer Zeit erleben.

In Dubai haben wir wieder einen Gastgeber über Couchsurfing gefunden. Nik Afshar kommt aus dem Iran und lebt seit über 12 Jahren in Dubai. Er hat ein kleines Studio, dass auf den ersten Blick nicht sehr viel hermacht. Auf dem Dach des Hauses gab es allerdings einen fantastischen Pool, eine finnesche und eine türkische Sauna, sowie ein Fitnessstudio. Natürlich haben wir die Gelegenheit genutzt und einen Vormittag im kostenlosen Wellness geschwelgt. Nik verfügt über viele Beziehungen, unter anderem auch zu einem der Scheichs in Dubai und so kam es, dass er am ersten Abend eine riesige Styroporbox voll mit gutem Essen aus der Palastküche mitgebracht hat. Von der Menge konnten wir dann die nächsten zwei Tage zehren.

Nik hat uns aus dem Auto heraus einen Flamingosee mitten in Dubai gezeigt und hat uns in der Nähe eines Geschichtsmuseums herausgelassen. Die hier ausgestellte Geschichte Dubais reicht zurück bis ins 17 Jh., als es noch ein kleines Perlenfischerdorf am Persischen Golf war. Beim lesen der Tafeln wurde auch schnell klar, dass dieses Museum im wesentlichen der Selbstbeweihräucherung der Herrscherfamilie dient. Interressant waren die Nachbauten der traditionellen Windtürme, welche auch heute noch in der Wohnhausarchitektur zu finden sind. Anschließend sind wir am Creek, der Fluss durch Dubai, entlang gelaufen und haben in einer Touristenfalle ein Kopftuch für Felix gekauft und gelernt wie Mann das richtig bindet. Wir haben für das Kopftuch 30 Dirham bezahlt, später hat uns ein anderer Händler dasselbe Kopftuch für den „very good price“ von 190 Dirham angeboten. In einem kleinen Imbiss gab es dann für einen Dirham lecker fritiertes, obwohl man uns zunächst weismachen wollte, dass wir 10 Dirham für ein Tüte zahlen sollten. Aber alle anderen Kunden warfen einfach einen Dirham in eine Box und bekamen dafür ein kleine Tüte. Wir haben uns noch ein kleines Museumsdorf mit ein paar Einkaufsläden und das Perlentaucherdorf angesehen.

Am nächsten Tag sind wir Vormittags zur Dubai Mall gefahren. Dieses Einkaufszentrum ist riesengroß! Es enthält ein SeaLife mit großem Aquarium inlusive dem ca. 4 meter lange Krokodil „King Kroko“ und mehrere Wasserfälle. In dem klimatisierten Einkaufszenturm tummelt sich die besser betuchte Gesellschaft, während draußen die Arbeiter bei 30 °C im Winter schuften. Im Sommer wird es bis zu 50 °C heiß. Das Burj al Khalifa steht gleich neben der Dubai Mall und ist mit etwas mehr als 800 Metern das höchste Gebäude der Welt, wir konnten fast keinen Platz zum Selfi machen finden. Die Dubai Fontaine ist ebenfalls direkt vor dem Einkaufszentrum, war aber gerade abgeschaltet. Anschließend sind wir zum Jumeira Public Beach, der momentan zum größten Teil aus einer Baustelle besteht, gelaufen. Einer der Arbeiter aus Nepal erklärte uns, dass hier über 270 Hotels und Restaurants entstehen. Nach dem Dunkelwerden sind wir noch über den Gewürzmarkt, Goldmarkt und den Naif Souk nach Hause gegangen. Jeder der Händler kennt 1-2 Sätze auf deutsch mit denen er um sich wirft, sobald er unser Herkunftsland erkannt hat.

Wir haben uns mit dem Bangaladeschi Wachmann in Nik’s Apartmenthaus unterhalten. Er hat uns erklärt, dass die meisten Bauarbeiter hier aus Indien, Bangaladesch und den Philipinen kommen. Auf den Krähnen findet man vorwiegend Pakistanis, da diese deutlich schwindelfreier sind als die meisten Inder. Unsere einzige Begegnung mit einem Einheimischen war eine kurze Unterhaltung in der Metro. Nur 20% der Bevölkerung haben einen Emiratischen Pass, die meisten Bewohner der Emirate sind Sklaven aus dem Südasiatischen Raum und Expats aus Europa und Amerika.

Am letzten Tag mit Nik sind wir noch einmal zum Burj al Arab, einem der teuersten und luxoriösesten Hotels dieser Welt gefahren um einem Mädchen aus Serbien einen besonderen Wunsch zu erfüllen. Wir sollten den Turm für sie fotografieren und im Vordergrund einen Text halten, der so viel bedeutet wie „Ich liebe dich“. Dies sollte ein Geschenk zu Weihnachten für Ihren Freund sein. Auch für einen Freund von Nik haben wir auf Niks Tablet etwas zum Geburtstag gemalt und anschließend zusammen mit einem Foto von uns und Nik als Geburtstagsgruß verschickt.

Nach dem Burj al Arab sind wir noch in einem All you can eat Restaurant iranisch Essen gegangen. Hier wurden wir Zeuge wie einige Gäste maßlos Essen verschwendet haben, aber sonst hat es uns einfach richtig lecker geschmeckt.

Am nächsten Morgen haben wir uns mit dem Bus nach Al Ain, der großen Oasenstadt begeben. Hier ist alles ganz anders als in Dubai, viel ruhiger, authentischer und viele reiche Einheimische. Wir sind eine Nacht lang bei Melissa und Manhar einem coolen Lehrerpärchen aus Amerika geblieben. Melissa und Manhar haben uns einen guten Einblick in das leben als Expat in den Emiraten gegeben. Man bekommt zwar vergleichsweise viel Geld und das auch Steuerfrei, aber die Leute sind Ausländern gegenüber eher verschlossen, und auch Ihre Verträge enthalten Klauseln, die einen frühzeitigen Abbruch des Arbeitsverhältnisses unattraktiv machen. Weiterhin macht das Klimas im Sommer die Emirate und den Oman nicht wirklich attraktiv um hier dauerhaft zu bleiben.

Abends sind wir in der Wüste hinter Ihrem Haus spazieren gegangen, wo wir dann von zwei Jugendlichen (17 Jahre) in ihrem Allradauto angesprochen wurden. Sie haben uns ein Stück mitgenommen auf einer kurzen Wüstenralley, eine große Düne hinauf. Wir haben die Aussicht genossen. Das Auto hat dabei allerhand gequälte Geräusche von sich gegeben. Als wir sie fragten wie oft sie hier mit dem Auto durch die Wüste heizen meinten sie, dass sie das jeden Abend machen. Mit 10 durfte der Fahrer zum ersten mal ein Auto durch die Wüste lenken und seit er 12 ist darf er auch alleine mit dem Auto zur Wüste fahren. Direkt durch Al Ain verläuft schon die Grenze zu unserem nächsten Ziel, dem geheimnisvollen Oman.

 

3 Gedanken zu „Zwischen Prestigetürmen und Sklaverei (18.11. – 21.11.2015)“

  1. Hallo,ihr Zwei ! Wir wünschen Euch ein recht frohes u. besinnliches Weihnachsfest ! Gaaanz weit von zu Hause u.ohne Gänsebraten & Rotkohl ! Weiterhin alles Gute von Karin & Hannes

  2. Hallo ihr beiden,
    soeben haben wir euren neuen Block gelesen, Timotheus, Ralf, Omi und ich. Wir sitzen gerade bei 12°C und Nebel auf Föhr und träumen von euren 30°C.
    Hier gibt es kein blaues, warmes Wasser sondern nur eine rauhe, graue Nordsee. Wir haben gerade zu Ende gefrühstückt und planen jetzt die Regenjacken anzuziehen und uns durch den Sturm nach Wyk zu kämpfen, um dort auf den Souks von Wyk zu bummeln 🙂
    Der blog ist echt toll:)

    LG Ralf,Annette,Oma und Timotheus

  3. huhu ihr,
    fröhliche weihnachten und so. viele grüße vom 32c3. hier kommt gleich ein talk
    „how hackers grind an mmorpg: by aking it apart! – introduction to reverse engineering network protocols“

    da musste ich an dich, felix, denken 🙂

    nun geht’s los

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