Der geheimnisvolle Oman (22.11. – 28.11.2015)

Im Oman wollen wir eine ganze Weile bleiben. Unsere ersten Tage im Oman verbringen wir mit einem wirklich bemerkenswerten Paschtunen, einem jungen Omani und den grünen Meeresschildkröten. Zusammen erleben wir ein Feuerwerk der Sehenswürdigkeiten.

Mit dem Bus fahren wir von Al Ain nach Muscat unserem neuen Host Numi entgegen. Wir sind etwas skeptisch, da er noch keine Referenzen hat und er hat auch nicht viel geschrieben. An der Haltestelle Ruwi empfängt uns ein ca 40-50 jähriger Ingenieur aus Pakistan, er gehört zum Stamm der Paschtunen. Er lädt uns in sein Lieblingsrestaurant (türkisch) ein obwohl sein Koch zuhause auch etwas kochen könnte. Übernachten kann man im Oman scheinbar nur bei Ausländern oder in Hotels, die Omanis sind zwar sehr offenherzig im Umgang mit Fremden, aber aufgrund ihrer Kultur scheint es Ihnen eher ungewöhnlich Fremde über Nacht in Ihrem Haus aufzunehmen.

So hatten wir uns direkt am nächsten Morgen mit Mazin einem waschechten Omani für einen zweitägigen Roadtrip verabredet. Nach einer Nacht bei Numi ging es direkt über Sur nach Ras Al Hadd um mit den grünen Meeresschildkröten zu Campen. Mazin hatte das selbst noch nie gemacht, er nutzt die Gelegenheit mit Touristen selbst sein eigenes Land besser zu erkunden und sein Englisch aufzubessern. Als Wegzehrung hatte er von seiner Mutter eine riesige Schüssel mit Reis und Ziegenfleisch bekommen; lecker.

Zunächst saßen wir sehr lange am öffentlichen Schildkrötenstrand von Ras Al Hadd und es passierte nichts. Die Schildkröten sollten so gegen 8-9 Uhr aus der Brandung an den Strand kommen um ihre Eier abzulegen. Ebenso sollten auch kleine Schildkröten aus verschiedenen Sandnestern schlüpfen. Da wir nicht wussten wonach wir suchten gingen wir erfolglos den Strand auf und ab, bis wir schließlich darauf aufmerksam gemacht wurden, dass wir nicht direkt an der Brandung suchen sollten sondern hinter der Brandungslinie. Und schließlich tauchten 3 ganz aufgeregte jugendliche Omanis auf und zeigten uns den Weg zu einer Schildkröte, die gerade anfangen wollte Ihre Eier zu legen. Wir haben sie aber verschreckt. Anschließend haben wir noch ein paar frisch geschlüpfte Schildkröten gefunden. Die kleinen krabbeln immer zum Licht; das macht Sinn, da der Plankton den sie fressen im Dunklen in der Brandung leuchtet. In der Nähe der Siedlung heißt das aber, dass sie Nachts alle in die falsche Richtung weg vom Meer krabbeln. Nur etwa ein Promille der gelegten Eier schafft es als lebendiges Schildkrötenbaby ins Meer. Über all seine Geschwister freuen sich Fuchs, Möwe, Katze uvm. Nach langem auf und ab am Schildkrötenstrand haben wir uns an einem Strand ganz in der Nähe einfach auf einer Strandmatte zum Schlafen gelegt. Vor Tieren braucht man hier keine Angst zu haben. Allerdings hatten wir die Flut etwas unterschätzt und mussten Nachts noch einmal 10 Meter weiter ziehen.

Am nächsten Tag fuhren wir übers Landesinnere zurück nach Muscat, was an sich schon eine recht weite Strecke ist. Auf dem Weg stolperten wir geplant und ungeplant über verschiedene Sehenswürdigkeiten. Zunächst fuhr Mazin einfach zufällig in irgendein kleines Dorf hinein und redete hier kurz mit einem der Fischer und wir bekamen einen Eindruck von einem sehr urtümlichen Omani Fischerdorf.

Später hielt Mazin plötzlich am Straßenrand an um uns eine Horde abenteuerlustiger junger Bedus zu zeigen, die zu Fuß und mit ein paar Eseln von einer Stadt zu einer anderen Stadt reisten. Für die jungen Bedus war natürlich Jana eine Riesenattraktion und sie wurde promt auf den Esel gesetzt und entführt. Ich bin natürlich immer dicht bei Ihr geblieben und habe sie schließlich auch wohlbehalten wiederbekommen.

In Nizwa angekommen haben wir uns erst einmal verfahren und anschließend das Nizwa Fort besichtigt, aber der angepriesene Süßigkeitenladen war leider geschlossen. Nach einem kurzen Picknick im Daris Falaj mit Lebanesischem Brot, billigem Schmelzkäse und Omani Chips als Gewürz erreichten wir gerade noch vor Einbruch der Dunkelheit den Falaj bei Misfat al Abryieen. Die Bananenoase (Birkat-Al-Mauz) haben wir an diesem erlebnisreichen zweiten Tag im Oman nicht mehr besuchen können. Die Aussicht vom Falaj ins Tal hinein war einfach atemberaubend. Falaj ist ein arabisches Wort und bezeichnet eine Art künstlichen Kanal, der als Bewässerungssystem für Plantagen dient.

Sein nächstes Wochenende hat Numi ganz und gar uns gewidmet. Uns war lange nicht so wirklich klar wo er nun eigentlich mit uns hin wollte, da er auf Nachfragen und Vorschläge unsererseits immer mit „No Problem, we can go there“ geantwortet hat.

Am Donnerstag Vormittag sind wir noch mit unserem eigenen Auto, einem runtergekommenen Mazda 2 von einer Autovermietung am Flughafen Muscat, nach Sinaw gefahren, da hier immer am Donnerstag Viehmarkt sein soll und wir wollten doch so gerne die Rennkamele sehen. Aber um 12 Uhr war es schon zu spät es gab noch jede Menge Hai auf dem Fischmarkt und nur noch ein Kamel. Beim verlassen des Fischmarkts wurden wir von einem Einheimischen angesprochen und er gab uns zu Verstehen, dass wir Ihm folgen sollten um Kamele zu sehen. Er zeigte uns einen Stall bei einem Tierarzt und anschließend sind wir Ihm noch weiter vorbei an einer verlassenen Beduinenstadt und einer Oase in Sinaw gefolgt. Später haben wir erfahren, das diese beiden Dinge die Hauptattraktionen von Sinaw sind. Nun mussten wir aber zurück nach Muscat.

Nomi kam um 4 von der Arbeit und wir sind direkt zum Wadi Daiqin Dam gestartet; Für Numi war dieser Dam ein Stück Ingenieurskunst, das er uns unbedingt zeigen wollte. Anschließend sind wir noch vorbei an einer kleinen warmen Quelle (GPS: 23.3495541,58.7176412) nach Sur gefahren. Hier haben wir zwei weitere Paschtunen ebenfalls mit dem Nachnamen Khan so wie Numi getroffen. Ja, auch Dschingis Khan ist ein entfernter verwandter von Numi. An diesem Abend ist Felix so ganz nebenbei wieder eingefallen, dass wir ja irgendwo in unserem Gepäck immer noch ein bisschen Unkraut aus Bulgarien haben müssen. Einer der beiden Freunde von Numi, ein Mediziner, hat sich wie ein Schneekönig gefreut, als wir den kleinen Krümel Gras ausfindig gemacht hatten. Jana war entsetzt.

Da wir Numi schließlich erklären konnten, dass wir den Wadi Shab (bekanntester Wadi im Oman) auch ohne seine Hilfe finden, fuhr er am nächsten morgen mit uns zum Wadi Bani Khalid hier gab es extrem klares Wasser zwischen geschliffenen Felsen und in einem der natürlichen Wasserbecken haben wir uns von Kangalfischen die abgestorbene Haut von den Füßen fressen lassen. Das hat gekitzelt. Hier am Wadi Bani Khalid haben wir mal wieder andere Touristen aus Deutschland getroffen. Es gab etwas Flussaufwärts noch eine Höhle, in die wir natürlich hineinklettern mussten. Mit Stirnlampe ging es dann hinein. Irgendwo im Inneren soll es eine Heiße Quelle geben, in der man sogar Baden kann wenn man ran kommt, dafür muss man aber sehr klein sein. Wir sind an einer Stelle an kaltes Wasser gekommen und haben weiter drinnen dann das Gefühl gehabt in einer Dampfsauna zu stehen. Es gab auch einen Fledermausdom in dieser Höhle. Auf dem anschließenden Rückweg nach Muscat haben wir an verschiedenen Stellen die Aussicht von der Straße genossen und Numi hat uns auch einen mehrere tausend Jahre alten Friedhof gezeigt und meinte, dass Maria, die Mutter von Jesus hier begraben sei; naja wir haben unsere Zweifel. Aber Numi glaubt ganz fest an jedes einzelne Wort im Koran und auch einige andere Geschichten.

Samstag war der letzte Tag unseres Wochenendes mit Numi, am Sonntag beginnt hier die Arbeitswoche, Freitag und Samstag sind frei. Numi ist mit uns zur warmen Quelle in Al Nakhl gefahren. Hier gibt es ein natürliches Loch im Stein, in das genau ein Mensch hinein passt. Wenn man darin schwimmt merkt man von unten den Druck der natürlichen heißen Quelle. Felix hat es genossen in diesem Loch zu stecken, während Jana sich im Fluss nebenan von den Fischen die Füße reinigen lies.

Anschließend haben wir noch Freunde von Numi auf einem riesigem Gemüsemarkt besucht. Seine Freunde beliefern vor allem Großküchen, Hotels und Restaurants. Dies sollte auch unser letzter Abend mit Numi sein, da sein Charakter für uns ziemlich anstrengend wurde. Er wollte immer unser Bestes, aber manchmal Verstand er nicht so richtig was wir eigentlich wollten. Diesen Abend erzählte er uns von einem Freund, der Ihn am nächsten Wochenende besuchen sollte. Er hatte ihn seit seiner Studienzeit im Irak, Bagdad nicht mehr getroffen. Numi war damals von Islamabad, seiner Heimatstadt, nach Bagdad gereist um sich dort für ein Stipendium in Deutschland zu bewerben. Als er dort ankam erfuhr er allerdings, dass dieses Stipendium ein Jahr zuvor zum letzten mal vergeben wurde, und um nicht zu viel Zeit zu vergeuden, hat er sich kurzerhand in der Polytechnischen Hochschule von Bagdad eingeschrieben. Als der Krieg im Irak ausbrach war es plötzlich nicht mehr möglich nach Pakistan zurück zu reisen oder Geld aus Pakistan in den Irak zu schicken. Also schlug er sich gut 2 Monate zusammen mit seinem Freund im Kriegsgebiet ohne Geld durch. Sie bettelten für Essen und Unterkunft und bekamen sogar einmal eine Taxifahrt umsonst. Als seine Eltern es über Umwege durch Indien endlich geschafft hatten ihm viel Geld zukommen zu lassen ging das trotz allem irgendwie ganz schnell für Partys und Vergnügungen drauf. Heute ist er durch seine Arbeit als Ingenieur in verschiedenen Staaten des mittleren Ostens Millionär geworden. Er spricht acht verschiedene Sprachen, unter anderem Arabisch, Englisch, Urdu, und seine Muttersprache Paschtu. Wir sollten Ihn auf jeden Fall mal in seiner Heimat in Pakistan besuchen.

3 Gedanken zu „Der geheimnisvolle Oman (22.11. – 28.11.2015)“

  1. Liebe Weltenbummler,
    Ein gesundes neues Jahr und noch viele tolle Erlebnisse und Bekanntschaften wünschen Euch beiden
    Opa und Oma aus Dresden
    Wisst ihr das man nicht nur Kamelreiten in der Wüste kann sondern auch Skifahren auf Sand
    Weiterhin viel Freude

    1. klar wissen wir, dass man auf Sand auch Skie und Snowboard und Schlitten fahren kann. Im Camp hatten sie Schlitten und ein Snowboard. Es war bis auf den Sand im Auge ganz cool.

  2. Gesundes Neues Jahr u. weiterhin so tolle Erlebnisse u. vor allem solche nette , hilfsbereite Menschen , auf die man sich verlassen kann . Herzlich Grüße von Karin & Hannes

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