Willkommen im Dschungel (10.12. – 20.12.2015)

In Nepal genießen wir die Ruhe und Gelassenheit und zwischendurch werden wir zur ganz besonderen Attraktion auf einer riesigen nepalesischen Hochzeit. Im Dschungel Nepals begegnen wir einem echten Tiger.

Kurz nach Nikolaus kommen wir in Kathmandu an und ziehen erst einmal im Happily Ever After Hostel ein. Die Dachterasse des Hostels kommt uns gerade recht. Bei Sonnenschein lauschen wir hier den Geschichten anderer Reisender und erzählen immer wieder gerne von unserer Radtour und unseren Erfahrungen im Oman. Regelmäßig findet sich im Hostel eine Gruppe zum zusammen Mittag und Abendessen ein. Kevin, ein anderer Deutscher ist schon eine ganze Weile hier und wartet im Wesentlichen darauf, dass seine Freundin in Deutschland operiert wird und sie danach gemeinsam ihre Reise in Indien fortsetzen können. Auch zwei Radfahrer, die mit dem Rad von Europa aus gestartet sind finden sich im Hostel ein. Sie haben viel Positives aus dem Iran zu berichten und von riesigen gefährlichen Hunden in der Türkei.

Vor einigen Tagen hatten wir Shankar geschrieben und erfahren, dass er auch zur selben Zeit in Nepal ist und er hat uns am 14.12 zur Hochzeit seiner Cousine, Simona, eingeladen. Einen Tag vor der Hochzeit fahren wir mit dem Touristenbus nach Sauraha, so heißt die Stadt in der Shankars Familie wohnt. Sie liegt direkt in der Pufferzone um den Chitwan Nationalpark. Auf einer Hochzeit ist auch in Nepal angemessene Kleidung erwünscht, also geht Felix mit Shankars jüngstem Cousin Safal noch eben schnell ein neues Outfit (Hemd/Hose) kaufen und ein neuer Haarschnitt wird auch fällig. Alles zusammen unter 25€. Jana darf sich ebenfalls in traditionelle Gewandung begeben und bekommt von der Schwester der Braut Shitoshna einen Sari geliehen. Am Tag vor der Hochzeit sitzen die Frauen des Dorfes zusammen um kleine Zuckerbällchen (Ladus) zu rollen, während hinter ihnen ein riesiges, buntes Festzelt aufgebaut wird. Die Braut und ihre Freundinnen bemalen sich in der Nacht vor der Hochzeit mit Henna, reden, lachen und tanzen.

So eine nepalesische Hochzeit ist schon ein Spektakel der besonderen Art. Vor allem gibt es nicht nur eine Hochzeitsfeier, sondern zwei! Wir haben an der Feier von der Seite der Braut teilgenommen. Da Simonas Vater ein einflussreicher Mann und auch politisch involviert ist, hatte die Hochzeit ungefähr 2000 Gäste, sogar der nepalesische Verteidigungsminister war zu Gast.

Für alle wurde Speis und Trank zu Verfügung gestellt. Es gab ein großes Buffet, kleine Stände mit nepalesischen Fast Food und sogar einen Eiscreme Stand an dem man sich so viel Eis holen konnte wie man wollte. Auch die armen Nachbarskinder fanden das ganz super. Insgesamt wurden für die Hochzeit fünf Ziegen geschlachtet, wobei man wissen muss, dass Ziegenfleisch in Nepal als Delikatesse gilt. Ursprünglich hatte die Familie damit gerechnet nur vier Ziegen schlachten zu müssen und hatte die fünfte zur Sicherheit gekauft. Das Ziegenfleisch am Buffet neigte sich jedoch recht bald dem Ende entgegen und die fünfte „Backup-Ziege“ wurde am Buffet vorbei zur Schlachtbank geführt.

Während das Essen im großen Festzelt schon im vollem Gange ist, ertönt plötzlich Tumult auf der Straße. Mit Trommeln, Trompeten und Tänzern fährt der Bräutigam vor. Der Bräutigam und seine Familie werden gebührend und freudestrahlend begrüßt. Felix und Jana stehen mit am Eingang und sagen ungefähr hundert mal „Namaste“. Dann beginnt der zeremonielle Teil der Hochzeit, wichtig dabei ist das Austauschen von Blumenketten und die Segnung des Brautpaares durch die Gäste. Die Segnung geschiet durch das Drücken von rotem Tikka auf die Stirn. Das Brautpaar begibt sich zwischendurch auch zu einem aufgebautem Tempel um Opfergaben an die Götter, meistens Früchte, zu verbrennen. Insgesamt ist alles sehr aufregend, unheimlich viele Menschen wuseln herum, wir haben viel Spaß und interessante Gespräche. Dann ist plötzlich Tauziehen angesagt. Die Freunde der Braut gegen die des Bräutigams, es entscheidet sich dabei ob sie die Braut schon mitnehmen dürfen oder nicht. Da es schon spät geworden ist und die ganze Gesellschaft noch nach Kathmandu reisen muss um rechtzeitig zur nächsten Feier da zu sein, lassen wir sie großzügig gewinnen. Wir wurden schon am morgen vorgewarnt, dass am Ende alle weinen werden. Es ist mehr oder weniger obligatorisch, da der Verlust eines Familienmitglieds an eine andere Familie hier eine ziemlich große Sache ist. Die Feier des Bräutigams ist eine wesentlich fröhlichere Angelegenheit mit viel mehr Tanz und Musik, da der Gewinn eines neuen Familienmitgliedes gefeiert wird.

Nach der aufregenden Hochzeit war Jana erst einmal für ein paar Tage krank und wir haben uns in Shankars Haus ausgeruht. Ganz nebenbei ist hier seit Felix letztem Besuch eine ganze Menge passiert. Ein komplettes Stockwerk wurde oben drauf gebaut. Es gibt jetzt eine warme Dusche mit Gastherme, sämtliche Innenräume sind mit Fliesen oder Marmor ausgekleidet, und das ganze Haus erstrahlt in einem lebendigen Grün. In der überdachten Terasse gibt es noch ein aufwendiges Deckengemälde, welches in Nepal nur 500€ kostet.

Wieder gesund brechen wir zu neuen Abenteuern auf. Wir machen einen Spaziergang im Dschungel mit Tigern, wilden Elefanten, Bären, Rhinos und vielen mehr. Geschützt werden wir dabei von zwei nepalesischen Guides mit Holzstöcken; kein Zaun, keine Waffen. Um 7 Uhr morgens starten wir mit dem Boot und fahren ca. eine Stunde lang den Fluss hinab. Es ist extrem nebelig, aber überall am Ufer kann man kleine und größere Vögel beobachten. Schließlich steigen wir aus und finden uns im Dschungel wieder. Nach 2 Minuten laufen halten die Guides an um uns Sicherheitsanweisungen für den Umgang mit wilden Tieren zu geben, aber Felix verschwindet erst mal hinter einem Baum. Unmittelbar als wir weitergehen hören wir lautes Bellen von einem Reh. Also starren wir in den Wald und sehen Bäume, Gras und Büsche. Jana starrt ein bisschen länger in den Wald und erspäht den Grund für das Gebell. Ein Tiger bewegt sich plötzlich gemütlich aber flink ca. 15 Meter vor uns von einem Grasbüschel zum nächsten. Da niemand sonst diesen kurzen Moment beobachtet hat gehen wir zurück und finden tatsächlich genau auf dem Pfad auf dem wir gekommen sind ganz neue Tigerspuren. Er muss also auch schon als wir unsere Sicherheitseinweisung bekommen haben ganz in der Nähe gewesen sein. Jana ist glücklich den Tiger gesehen zu haben und Felix ist froh, dass er nicht beim Pinkeln verspeist wurde. Anschließend laufen wir noch den ganzen Tag durch den Dschungel und sehen Termitenhügel, Rehe, Spuren des wilden Elefanten, Eisvögel, ein Wildschwein und ein Rhinozeros aus der Ferne. Am Abend essen wir bei Shankars Onkel zusammen mit der Familie und erzählen unsere Erlebnisse aus dem Dschungel als Susmita eine kleine Cousine von Shankar uns von der Geburt eines Buffalobabies erzählt. Also gehen wir raus und sehen ein frisch Geborenes; die Mutter ist gerade dabei es trocken zu lecken. Einen Tierarzt braucht es nicht.

Am nächten Tag wollen wir noch einmal in den Dschungel, dieses mal auf dem Rücken eines Elefanten. Shankars Vater hat beschlossen, dass er das auch einmal machen möchte. Er lebt schon seit seiner Geburt in Sauraha und hat noch nie einen Elefanten geritten. Beim Elefantenreiten sieht man eigentlich meistens ein oder zwei Rhiozerösse. Wir haben zwei mal eine Mutter mit ihrem Baby gefunden; das ist soo niedlich. Außerdem gab es eine Affenfamilie, Rehe und einen Eisvogel. Nun hatten wir aber auch fast alles gesehen, was es in Sauraha zu sehen gibt und haben lange genug die Gastfreundschaft von Shankars Familie genossen, also haben wir beschlossen am nächsten Tag wieder nach Kathmandu zu fahren um ein Visum für Indien zu bekommen.