Weihnachten und Silvester in Kathmandu (21.12. – 01.01.2016)

Die Feiertage verbringen wir im Happily Ever After Hostel. Viel gutes Essen, verrückte Franzosen, idealistische Deutsche, ein witziger Slovake und großartige Amerikaner feiern mit uns und wachsen uns ans Herz.

Als wir in Nepal ankamen wurden wir auch ein bisschen überrascht. In Nepal herrscht momentan Ausnahmezustand. Nicht wegen des Erdbebens, welches schon 6 Monate zurück liegt. Nein, es gibt politische Querelen mit Indien bzw. Rebellen indischer Abstammug. Diese blockieren seit Wochen sämtliche Warentransporte, vor allem Öl, Benzin und Gas. Man sieht kilometerlange Schlangen von Motorrädern, die auf Benzin warten. Menschen kochen überall in der Stadt wieder auf kleinen Holzfeuern und alles ist ein bisschen teurer als normal. Das verherende an der Situation, Nepal hängt vollkommen von Warenimporten aus Indien ab. China zeigt sich natürlich großzügig und schenkt Nepal ein bisschen Öl in der Hoffnung nun endlich auch auf dem nepalesischen Markt aktiv werden zu können, aber vorher müssen die Straßen in Richtung China auf Vordermann gebracht werden.

Shankars Familie gehört natürlich zu den wohlhabenden und mit genug Geld bekommt man immer Sprit auf dem Schwarzmarkt. Der Schmuggel blühlt und die nepalesische Regierung tut alles damit die Touristen nichts von der Misere mitbekommen. Also fährt Shankars Vater uns am Morgen mit dem Motorrad zur Busstation und wir Reisen wieder nach Kathmandu.

Auf der Fahrt unterhalten wir uns ganz nett und hören die Geschichte einer Deportation. In Indien gibt es kein Visum bei Ankunft am Flughafen, sondern man muss es mindestens 72 Stunden vorher online oder klassisch auf einer Botschaft beantragen. Wenn man das nicht weiß wird man am Flughafen postwendend auf eigene Kosten in ein Flugzeug ins Heimatland gesetzt. Einer Frau aus Neuseeland ist genau das passiert, sie konnte allerdings nach 24 Stunden Verhandlung mit den Beamten erreichen, dass man sie nur nach Nepal deportiert, von wo aus sie dann nach Erhalt des Visums einfach wieder nach Indien kann.

Der Visumsprozess für Indien ist ein Abenteuer für sich: 3 Seiten Formular müssen fehlerfrei ausgefüllt werden, man zahlt 40$ und hofft einfach. Um das Visum schließlich nach einer Woche abzuholen gibt man für einen Tag seinen Pass ab, ja so lange brauchen die um einen Aufkleber irgendwo in den Pass zu kleben. Ein weiteres Abenteuer war der Versand unserer Postkarten, man versicherte uns, dass sie auf jeden Fall ankommen, es kann aber zwischen 2 Wochen und 2 Jahren dauern.

Um nicht dauerhaft nix zu tun beschließen wir am Morgen vor Weihnachten mal zum Pashputinath Tempel zu fahren. Natürlich mit einem typischen Kleinbus, die Sitzabstände sind viel zu klein und bevor nicht der Mittelgang lückenlos vollgestopft ist werden immer weiter Mitfahrer eingesammelt. Die Jungs, welche dafür verantwortlich sind die Route auszurufen, haben also außerdem ihren Meister in Tetris. Der Pashputinath Tempel ist eine sehr große Tempelanlage in Kathmandu. Hier gibt es hunderte Affen, viele kleine Pagoden und natürlich einen Fluss an dem regelmäßig Feuerbestattungen stattfinden. Bei den vielen kleinen Pagoden erkennt man gut die Folgen des Erdbebens. Einige sind eingestürtzt, andere nur ein bisschen zerüttet. Wir haben dummerweise eine Plastiktüte mit etwas Obst dabei und die Affen sind total darauf fixiert. Wir werden zweimal angegriffen und einmal ist der Affe sogar erfolgreich und beißt durch die Tüte in eine der Bananen. Auf dem Rückweg spielen wir Busroulette. Die Busse haben hier keine Anzeige wohin sie fahren sondern fahren einfach an den Haltestellen vorbei während der „Schaffner“ die ganze Zeit die Route des Busses den Passanten entgegenschreit. Da wir glauben Thamel verstanden zu haben springen wir kurzerhand auf einen Bus auf. Nach einer halben Stunde Fahrt fragen wir nach und man erklärt uns, dass wir besser in ein paar Haltestellen aussteigen und dann für eine halbe Stunde immer geradeaus gehen sollen um wieder nach Thamel zu kommen. Das ist noch einmal gut gegangen und auf dem Rückweg kaufen wir uns ein ganzes Zuckerrohr, lecker.

Nun ist auch schon Weihnachten und wir haben beschlossen das im Hostel mit unserer Ersatzfamilie bestehend aus Reisenden überwiegend aus Europa, USA und Australien zu feiern. Obwohl es in Australien zur Weihnachtszeit nicht schneit hört man auch hier Titel wie „dreaming of a white Christmas“. Es gibt jedoch Versuche die Geschichten zu australisieren. So zieht in Australien zum Beispiel ein Känguru den Schlitten des Weihnachtsmannes. Kevin kommt aus dem Schwarzwald (nur wenige Kilometer von der Donauquelle entfernt) und bereitet zu Weihnachten Käsespätzle und Mousse au Chocolat zu. Wir haben uns entschieden eine Kürbissuppe und einen Fruchtsalat zuzubereiten. Also gehen wir für die Kürbissuppe auf dem Markt einkaufen. Bei einer Frau die einfach mit ein bisschen Gemüse vor sich auf dem Boden sitzt sieht es zunächst nicht so aus, als würden wir hier alles bekommen was wir brauchen. Wir fragen dennoch nach und so zaubert sie unter einem großen Berg an gemischtem Gemüse einen 5kg Kürbis, Ingwer, Knoblauch, Zwiebeln und Karotten hervor. Das war deutlich einfacher als gedacht und auch unglaublich günstig also ziehen wir weiter um auch noch ca. 5 Kg Früchte für einen Obstsalat zu besorgen: Mandarinen, Granatäpfel, Weintrauben, Papayas und Bananen. Schließlich finden wir sogar noch Kerzen und Dekoration für den kleinen Nadelbaum auf der Dachterasse unseres Hostels. Einfach perfekt!

Wir haben wirklich jeden im Hostel eingeladen und angestoßen eine Runde Schrottwichteln zu spielen. Das heißt jeder soll etwas aus seinem Gepäck, dass er nicht mehr wirklich braucht als Geschenk verpacken und in einen großen Sack werfen und anschließend wird nach bestimmten Regeln um die Geschenke gewürfelt. Tatsächlich fast jeder hat am Schrottwichteln teilgenommen und es waren auch wirklich fast nur nützliche Geschenke dabei. Reisende schleppen nun mal generell keinen komplett unnötigen Schrott mit sich herum. Wir haben eine Karte von Indien und eine Karte von Myanmar erhalten. Das passt genau zur weiteren geplanten Route. Unter den übrigen Geschenken waren ein Paar warme Handschuhe vermutlich das Begehrteste. Es gab auch einfach nur ein kleines Päckchen Cannabis. Ein paar Franzosen hatten einen faltbaren Wasserbeutel mit Trinkschlauch erhalten und haben ihn kurzerhand mit Whiskey Cola befüllt und ein Trinkspiel ganz in der Tradition der Bierbong daraus gemacht.

Die Tage nach Weihnachten war Jana etwas krank und wir haben es ruhig angehen lassen. Naja zumindes Jana. Felix hat sich am ersten Weihnachtsfeiertag von einer Gruppe Franzosen in die Geheimnisse des Tarot Spiels einweihen lassen, es ist so ähnlich wie Skat oder Schafkopf. Da das Haschisch hier so unheimlich günstig ist gab es am zweiten Weihnachtsfeiertag erst mal einen typisch nepalesischen Milchtee mit Haschisch. Anschließend haben Felix, Philip, Tomas und eine kleine Spanierin sich den neuen Star Wars Film in 3D im Kino angesehen. Jeder hatte nur eine kleine Tasse, aber der Tee hatte es in sich. Zum Kino kann man sagen es steht den Kinos in Deutschland in nichts nach und 3€ für den Film ist ein vollkommen akzeptabler Preis, selbst wenn man nicht wirklich viel von der Handlung mitbekommt. Natürlich sind wir mit dem Taxi zum Kino und auch wieder nach Hause gefahren.

Auf der Hochzeit von Shankars Cousine haben wir Ash einen Amerikaner mit nepalesischen Wurzeln kennen gelernt. Wir wussten, dass er und das Brautpaar (Rupesh und Simona) bald nach Amerika gehen. Also haben wir uns noch einmal bei ihm gemeldet und wurden zur offenen Hausparty im Zweitwohnsitz der Familie in Kathmandu eingeladen. Es gab Momo, Samosa und einige nette Gespräche. In Nepal ist es üblich, dass es regelmäßig Stromausfälle gibt. Diese sind geplant und man kann sich vorher informieren von wann bis wann man Strom hat. Über Weihnachten wurde im Touristenstadtteil Thamel der Strom nicht abgeschaltet was wir als Weihnachtsgeschenk der Strombehörde in Nepal gerne angenommen haben. Bei Ash gab es dafür in den letzten 36 Stunden keinen Strom mehr. Jetzt war uns klar wer für die großzügige Versorgung der Touristen zurückstecken musste.

An einem anderen Abend saß Felix wieder einmal auf der Dachterasse unseres Hostels und probierte zusammen mit Kevin eine interressante Bong Bauart. Die sogenannte Wasserfallbong: Man hat eine Flasche mit Wasser gefüllt und einem Loch unten. Oben anstelle des Deckels befestigt man den Topf und zündet ihn an, nun lässt man das Wasser durch das Loch im Boden auslaufen. Gerade waren zwei Teenager aus Deutschland im Hostel eingezogen. Sie wollen aus dem System aussteigen. Doch als sie sehen wie wir einen ganzen Liter Wasser vergeuden um high zu werden bestehen sie darauf, dass wir das Wasser mit einem Eimer auffangen und wiederverwenden. Naja wir haben alle gelernt, dass man Resourcen nicht unnötig verschwenden soll, aber wir sind uns so ziemlich einig, dass dieser Vorschlag der Mädchen lächerlich ist.

Endlich war unser Indisches Visum fertig und wir sind noch ein letztes mal mit Kevin in eines unserer Lieblingsrestaurants in Kathmandu, das in dem es MoMo für nur 50 Rupien gibt, gegangen. Diesmal haben wir hier eine Syrer getroffen. Er war ziemlich problemlos nach Nepal gekommen, da Nepal eine sehr entspannte Einwanderungspolitik hat. Erst sehr spät hat Nepal die Grenzen für Syrer geschlossen. Er erzählte uns, dass er nicht nach Syrien zurück kann aber er wirkte auch sehr selbstsicher und zuversichtlich, dass er es schafft sich irgendwo als Musiker wieder ein Leben aufzubauen. Er schien einen Plan zu haben.

An Sylvester haben wir ein weiteres mal groß gekocht im Hostel, aber nicht ganz so groß wie an Weihnachten. Es gab erneut Mousse au Chocolat. Man muss wissen, dass Schokolade in Nepal exorbitant teuer ist 1,5-3€/100g somit hat die Schokolade mehr als die Hälfte der gesamten Kosten für das Essen verursacht, aber es ist auch einfach soooo Lecker. Außerdem gab es Hashischtee, Milchreis, Pfannkuchen und Obstsalat.

Ein Gedanke zu „Weihnachten und Silvester in Kathmandu (21.12. – 01.01.2016)“

  1. Hallo , ihr Zwei , es war wieder sehr schön, Eure tollen Erlebnisse mit zu erleben . Ob der Tiger denn satt geworden wäre von dem kleenen Zippel ? Ha,haha ! Weiterhin gute Reise !Karin& Hannes

Kommentare sind geschlossen.