Heilige Scheiße und das Taj Mahal (07.01. – 10.01.2016)

Unsere erste Station in Indien heißt Varanasi, es ist die heiligste Stadt der Hindus aber auch die dreckigste in ganz Indien. Mit alten Bekannten reisen wir nach Agra und sind pünktlich zum Sonnenaufgang am berühmten Taj Mahal.

Nach 19 Stunden aufregender Bus- und Taxifahrt kommen wir um 2 Uhr Morgens in Varanasi an. Nun heißt es ein Hotel zu finden ohne sich von einem der übertrieben aufdringlich hilfsbereiten Rikshafahrern übers Ohr hauen zu lassen. Sie bieten an uns für nur 10 Rupien oder gar umsonst zu einem Hotel zu fahren. Sie versprechen sogar Hotels für nur 300 Rupien pro Nacht. Normalerweise zahlt man für eine Fahrt alleine in der Rikshaw zwischen 60 und 100 Rupien, wenn man nicht verhandelt sind es gerne mal 300 Rupien. Diese Versprechungen der Rikshawfahrer basieren also ausschließlich auf deren Hoffnung auf eine fette Provision vom Hotel ihrer Wahl, welches dann auch gerne etwas teurer als versprochen sein kann. Ebenso ist es in Indien auch Gang und Gebe dass viele Läden Provisionen zahlen wenn man es schafft einen Touristen hinein zu lotsen. Um diese Provisionen abzugreifen sind sich die Leute hier für keine Schmeichelei zu schade und versuchen dich glauben zu machen sie seien dein „Freund“.

Als wir also dem Gewimmel am Bahnhof entkommen sind stellen wir fest, dass um 2 Uhr Morgens alle Hotels zu sind. Wir nehmen uns doch noch eine Rikshaw, in der Hoffnung, dass er uns einfach zu einer Unterkunft für den Rest der Nacht fährt. Nach zwei weiteren Stunden auf der Rikshaw ohne Erfolg beschließen wir diese Nacht nicht mehr zu schlafen und gehen zum Gangesufer um den Sonnenaufgang zu bewundern. Wir treffen ein Mutter-Tochter Gespann aus Australien und teilen uns mit ihnen ein Boot; nach den letzten 24 aufregenden Stunden ist das genau das Richtige um ein bisschen zu entspannen. Schließlich finden wir auch ein günstiges Hotelzimmer direkt am Gangesufer und schlafen erst einmal.

Varanasi ist die heiligste Stadt Indiens, gelegen am heiligen Ganges Fluss. Indien wird hier oft auch Hindustan genannt. Den religiösen Hindus aus ganz Indien ist es wichtig das sie nach Ihrem Tod am Ganges verbrannt werden. Die Verbrennung muss innerhalb von 24 Stunden nach dem Tod erfolgen. Wer es nicht schafft den Verstorbenen rechtzeitig zum Ganges zu bringen verbrennt ihn eben Zuhause und bringt die Asche zum Ganges. Für diejenigen, die auf jeden Fall am Ganges verbrannt werden möchten gibt es eigens eingerichtete Hospitze in Varanassi in denen man auf den Tod warten kann. Entlang des gesamten Ganges, aber vor allem an der Manikarnika Ghat werden auf großen Scheiterhaufen aus 200-400 kg wohlduftendem Holz Verstorbene verbrannt.

Varanassi ist nicht nur enorm heilig sondern auch unheimlich dreckig; schmale Gassen in denen Müllkippen brennen, Tiere fressen Müll und Kot, Kuhfladen überall, die Affen tragen auch nicht zur Sauberkeit bei, es riecht widerlich in den kleinen Gassen.

All dies erkunden wir auf unserem Nachmittagsspaziergang auf den Ghats. Ghats sind große breite Treppen, die vom Ganges direkt in die Stadt führen. Und wieder laufen uns alte Bekannte über den Weg; Klara und Chiara, die zwei jungen und idealistischen deutschen Mädchen, die uns in Kathmandu dazu bringen wollten Dreckwasser aufzubewahren.

Das Wiedersehen ist freudig und wir tauschen unsere Reisegeschichten im Dachterrassenrestaurant des Hotels der beiden Mädels aus. Sie sind auf der Suche nach einem vertrauenswürdigem Ashram. Ein Ashram ist eine religiöse Herberge in der man verschiedene Stadien auf dem Weg zur Erleuchtung durchlaufen kann. Allerdings gibt es relativ viele Scharlatane in dem Geschäft. Nach einiger Suche finden die Beiden ein Ashram in Jaipur in dem sie einen 11 Tage Schweigekurs belegen wollen. Da Jaipur auch auf unserer Route liegt beschließen wir die nächsten Tage gemeinsam zu reisen.

Zusammen erleben wir die lauten und farbenfrohen Gebete die Abends am Fluss stattfinden. Mit Feuer und Rauch vollführen einige Betende einen synchronen Tanz, der unheimlich faszinierend anzuschauen ist. Ein bisschen selbstgemachte Hennamalerei und wir lassen den Abend mit gutem Essen ausklingen. Hennapaste kann man in Indien an jedem Kiosk kaufen. Auch die Gemüsemärkte in Varanassi sind eine wahre Freude; bestes Obst und Gemüse und Kokusnüsse aber auch der ganze Touristenramsch wird Feilgeboten. In Varanassi gibt es auch den berühmten Bang Lassi, einen Lassi mit Mariuhana; nur mal kosten…

Der goldene Tempel ist einer der berühmtesten Tempel in Varanasi. Er besitzt vier verschiedene Eingänge, von denen nur einer für Touristen zugänglich ist. Bei unserem ersten Besuch erfahren wir, dass man Nichts mit in den Tempel mit reinnehmen darf; keine Handys, keine Kamera. Ein Inder bietet uns an auf unsere Sachen aufzupassen, da das „Unternehmen“ nicht besonders vertrauenswürdig erscheint bringen wir unsere Sachen lieber nach hause und kommen nochmal ohne Alles. Die erste Hürde ist überwunden, jedoch erfahren wir dann bei der zweiten Eingangskontrolle direkt vorm Tempel, das man um Eintritt ins Innere des Tempels zu erhalten seinen Pass dabei haben muss. Toll, die liegen natürlich im Hotel. Nochmal zurücklaufen wollen wir nicht und so schauen wir uns die kleineren Tempel drumherum an.

Auf die guten Erfahrungen von Klara und Chiara vertrauend versuchen wir ein Zugticket einfach kurz vor Abfahrt direkt am Bahnhof zu kaufen und erfahren, dass das Zugbuchungssystem immer 4 Stunden vor Abreise geschlossen wird. Wir bekommen aber ein Open Ticket welches unheimlich billig, aber wie wir feststellen werden, auch entsprechend unkomfortabel ist. Wir verbringen eine ganze Nacht im Zug nach Agra und dürfen auf dem Fussboden zwischen dem Müll der anderen Passagiere sitzen. An Schlafen ist kaum zu denken.

Halb ausgeruht erreichen wir Agra noch vor Sonnenaufgang und sind mit die Ersten für Heute am Taj Mahal. Kein Schlange stehen oder Menschengedränge. Einfach rein da und verzaubern lassen vom Anblick des weißen Marmorpalastes. Anschließend schlendern wir noch ein bisschen durch Agra und schauen das Rote Fort an, jedoch ist unser Laune eher mieß, da wir in der Nacht zu wenig geschlafen hatten. Da Übernachtungen in Agra unheimlich teuer sein sollen fahren wir noch am gleichen Tag mit dem nächsten Zug weiter von Agra nach Jaipur.

3 Gedanken zu „Heilige Scheiße und das Taj Mahal (07.01. – 10.01.2016)“

  1. Hallo Ihr Weltenbummler
    Vielen Dank für Eure Karte aus Kathmandu und die tollen Reiseberichte. Wir freuen uns über jedes Lebenszeichen von Euch Beiden. Da habt ihr ja in all den bereisten Lebensräumen tiefe Einblicke in das Leben der Einheimischen bekommen. Gute Weiterreise wünschen Euch Oma und Opa.

  2. Hi,ihr Zwei , man wird ja richtig süchtig u. kann die nächsten Berichte u. tollen Bilder kaum erwarten . Mein Neffe wollte mit 18 J. für 3 Mon. nach Indien.(jetzt 59 J.) Nach 5-6 Wochen war er wieder da. Er konnte die krassen Unterschiede nicht verkraften ! Seit einigen Jahren reist er oft mit seiner Frau dahin , die beiden tun sich toll sozial um verschiedene Projekte kümmern . Bleibt gesund u. munter! K.&H. Troisch,Windbergstr.26 , 01189 Dresden

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