Jaipur Juwelenspecial (10.01. – 19.01.2016)

Jaipur wird auch Pink City (rosa Stadt) genannt. Wir haben vorerst genug Sehenswürdigkeiten bewundert und konzentrieren uns voll und ganz auf das Juweliergeschäft. Ein Großteil der weltweit gehandelten Edelsteine werden in Jaipur geschliffen, gefasst oder umgeschlagen. Wir entlarfen Scharlatane und treffen seriöse Edelsteingroßhändler und sehen den kompletten Fertigungsprozess für Schmucksteine, Gold und Silberschmuck. Außerdem erleben wir das Drachenfestival in Jaipur.

Am 10.01 kommen wir Abends in Jaipur an und lassen uns mit der Rikshaw zu einer miesen Absteige fahren. Am nächsten Tag wechseln wir dann ins Hotel Satkar welches bei einem Preis von 600 Rupien (8,30€) für ein sauberes, großes Doppelzimmer mit Warmwasser ein ausgezeichnetes Preis Leistungsverhältniss hat.

Mit der nagelneuen und modernen Metrolinie von Jaipur geht es in die komplett in rosa gestrichene Innenstadt. Die Metro wurde erst vor 3 Monaten eröffnet und wird noch kaum genutzt. Eine Fahrt kostet 5 Rupien. Direkt am zweiten Tag finden wir auch unser neues Stammrestaurant für die nächsten Tage, ein kleines Restaurant direkt am Bahnhof. Hier gibt es einfach unschlagbar gutes Thali zu unschlagbar günstigen Preisen. Mit Butter Naan oder Butter Ruti so viel man möchte aus dem Tandoriofen; einfach super lecker. Für Jana gibt es Tomatensalat und Butter-Naan jeden Tag. Während unseres Aufenthaltes in Jaipur findet auch das Drachen Festival statt und überall in der Stadt sieht man kleine Drachen am Himmel fliegen und auf den Dächern der Häuser stehen Kinder und spielen mit ihrem Drachen.

In der rosa Stadt sehen wir den Stadtpalast und den Palast der Winde (Hava Mahal), kaufen ein paar getroknete Früchte und werden auch promt von einem Touristenfänger angesprochen. Er möchte uns nur helfen, einen wirklich seriösen Edelsteinshop in Jaipur zu finden. Denn Jaipur ist berühmt für seine Edelsteine und die Blockdruckkunst auf Seide. Kleidung interresiert uns nicht die Bohne, also lassen wir uns auf den Juwelier ein. Der Verkäufer von Gems Galaxy erzählt uns von seiner Philosophie und auch seinen Messebesuchen in Europa. Er ist ein durch und durch ehrlicher Mann, der nichts von Touristenabzocke hält sondern eher auf nachhaltige Geschäftsbeziehungen setzt. Er zeigt uns seine kleine Edelsteinschleiferei mit zwei Schleifplätzen, in der gerade weißer Topas geschliffen wird. Wir schauen viele Kisten mit Armbändern, Ohringen, Ringen, Amuletten und Kettchen durch. Er erklärt uns, dass es insgesamt 4 wirklich teure Edelsteine gibt: Diamand, Rubin, Smaragd und Saphir. Außerdem gibt es noch 80 weitere Schmucksteine, von denen wir in seinem Laden mindestens die Hälfte zu Gesicht bekommen. Sämtliche Schmuckstücke in seinem Laden bestehen zudem aus Sterling Silber mit mindestens 92.5% Silbergehalt und es sind alles seine eigenen Designs. Schließlich haben wir eine kleine Auswahl an Stücken, die uns gefallen, lassen 100 Rupien Deposit da und versprechen am nächsten Tag wieder zu kommen um sie evtl. zu kaufen. Obwohl es schon spät ist sehen wir noch einen offensichtlich auf Touristenabzocke ausgelegten Juwelier und erhalten anschließend wieder einen Geheimtipp. Ein freundlicher alter Mann bringt uns mit der Rikshaw zum anderen Ende der rosa Stadt, wo sich die Edelsteingroßhändler angesiedelt haben. Hier lotst er uns in einen speziellen Shop in dem wir dann tatsächlich Tigerauge und Lapis Lazuli in je vier verschiedenen Qualitätsstufen jeweils in einem Sack mit 3-5kg zu sehen bekommen. Wir sehen auch schönste Opale, Rauchquarz, Sternrubin, Mondstein und viele mehr. Die etwas teureren Steine sind natürlich nicht in Säcken sondern in Briefumschlägen verpackt. Schließlich sehen wir uns noch etwas erschöpft den Shop des Bruders an in dem es auch wieder fertig eingefasste Steine gibt.

Wir haben also beschlossen für möglichst all unsere Familienmitglieder ein kleines Silber- und Edelsteingeschenk aus Jaipur mitzubringen. Nachdem wir die Präferenzen so weit wie möglich geklärt haben verbringen wir also einen ganzen Tag in Gems Galaxy, trinken viel gratis Chai und suchen insgesamt 15 Stücke aus und kaufen sie für umgerechnet 280€.

Am Abend bewundern wir dann vom Dach des Juweliers aus das Feuerwerk und die Himmelslaternen über der gesammten Stadt. Es ist der 14.01 und die Menschen in Jaipur feiern das Drachenfest ausgelassen. Aber auch am 15. Januar feiern sie es noch einmal, und diesmal lassen auch wir zwei Himmelslaternen steigen.

Die Faszination der Edelsteine lässt uns nicht los und wir versuchen uns zu erinnern wo genau das Juweliersviertel außerhalb des touristischen Bezirks der rosa Stadt war. Wir finden eine Straße am Surajpole (Sonnentor). Da wir mittlerweile genau wissen, was wir haben wollen können wir uns mehrere Shops in der Straße ansehen und gezielt nach schönen großen roten Granaten suchen. Dennoch lassen wir uns auf einen kurzen und hochinterressanten Ausflug in eine Steinschneider- und Steinpoliererwerkstadt ein. In der Steinpoliererei darf Felix selbst einmal ein bisschen Glas/künstlichen Amethyst polieren. Schließlich im letzten Shop des Tages treffen wir noch eine Edelsteingroßhändlerin aus Deutschland, die gerade ihren Jahreseinkauf beim Juwelier ihres Vertrauens macht. Sie arbeitet schon seit 20 Jahren mit dieser Familie zusammen, rät uns aber davon ab jetzt noch in das Geschäft einzusteigen, da mittlerweile die Marge für das Geschäftsmodel Steinchen aus Indien in Europa zu verkaufen enorm geschrumpft ist. Ja, die Inder können ihre Steine auch selbst per Onlinehandel auf den europäischen Markt bringen. Die wichtigste Erkenntnis des Tages ist jedoch, dass sämtliche Steine in den Schmuckstücken von Gems Galaxy eher von minderer Qualität sind und evtl. einiges kein Sterlingsilber ist. Aber da wollen wir uns nicht auf das Bauchgefühl eines konkurrierenden Juweliers verlassen. Wir erhalten die Adresse eines Metaltestlabors.

Im Testlabor kommt alle 3 Minuten ein Goldschmied zur Tür herein, knallt einen Klumpen mehr oder weniger reines Gold auf den Tresen und erhält im Gegenzug die entsprechende Menge Feingold zurück. Einer zeigt uns ganz stolz seine aufwendigen Golddesigns. Wir sind die einzigen, die hier Silber testen lassen. Das Testergebniss ist sehr akkurat und wirkt extrem professionell. Für nur 40 Rupien pro Zertifikat ist das ein ausgezeichnetes Preis-Leistungsverhältniss.

Hier ist das Ergebnis:
von 14 Stücken sind 3 Stücke einwandfrei. 5 Stücke bestehen zumindest aus 92.5% Silber, enthalten jedoch 1-5.5% Cadmium, welches als krebseregendes Schwermetal nichts in Schmuck verloren hat. Ein Stück besteht teilweise aus Sterlingsilber und teilweise aus Trompetensilber. Es ist allerdings bemerkenswert wie nahtlos der Übergang vom Silber zum nicht Silber gestaltet ist. Ein weiteres Stück besteht teilweise aus Trompetensilber und Teilweise aus cadmiumverseuchtem Silber. Dann ist da noch ein Stück welches komplett aus Trompetensilber besteht und 3 Stücke müssten für einen Test eingeschmolzen werden, da sie mit einer festen Nickelschicht überzogen sind. Der Verkäufer hatte uns diese Teile als rhodiniert verkauft. Der Preisunterschied zwischen Element Nummer 45 (Rhodium) und Element Nummer 28 (Nickel) im Periodensystem ist jedoch auch beträchtlich.

Nachdem wir uns mit einem Chai gestärkt haben und noch kurz andere Touristen vor der Vergiftungsgefahr gewarnt haben konfrontieren wir den freundlichen Verkäufer mit diesen Testergebnissen und fordern unser Geld zurück. Er spielt den Ahnungslosen und obwohl er bereits auf Messen in Europa war hat er keine Ahnung davon, dass sowohl Cadmium als auch Nickel nicht in Schmuck gehört. Wir erhalten unser Geld zurück.

Neben all diesen Juwelierbesuchen haben wir es außerdem geschafft, das Hava Mahal von Innen zu betrachten. Bei richtigem Lichteinfall durch die Buntglasfenster zeigen sich auf dem Stein im Inneren schöne farbige Muster. Den Wasserpalast (Jal Mahal) kann man nicht besichtigen, sondern nur von Außen betrachten. Er steht inmitten eines Sees. Auch das terrakottafarbene Fort von dem aus man ganz Jaipur überblicken kann besichtigen wir. Bei all unseren Besichtigungstouren werden wir immer wieder von Indern angesprochen ob wir nicht ein Foto mit ihnen machen. Wenn das zum ersten Mal passiert fühlt man sich wie ein Prominenter. Wir haben meist auch Gute Laune und lassen einige Fotos mit uns machen. Nach einiger Zeit wird es jedoch sehr nervig und anstrengend, denn bei vielen sind die Englischkenntnisse nach „one selfie, please“ oder „What is your country?“ bereits erschöpft. Schließlich ist es vorbei mit der Guten Laune und wir antworten auf derartige Anfragen nur noch mit einem kurzen und scharfen „No, go away!“ oder „One Photo, 10 Rupies“, beides hat meist den gewünschten Effekt, dass unser Gegenüber einfach davon trottet.

Am letzten Tag in Jaipur wollen wir noch eine Auftragsarbeit abholen, diese ist aber leider nicht fertig geworden. Stattdessen können wir mehrere Kisten voll protzigem Silberschmuck für einen Großhändler in England bewundern. Als Grund für die nicht termingerechte Arbeit wird uns die Geschichte vom Tod eines der Silberschmiede aufgetischt. Die meisten Inder, die wir bisher getroffen haben sind Meister der Ausreden, wenn es darum geht ihr Fehlverhalten zu rechtfertigen, beziehungsweise dich von vorn bis hinten zu bescheißen. Die Glaubwürdigkeit dieser Geschichte ist also zweifelhaft.

Ein Gedanke zu „Jaipur Juwelenspecial (10.01. – 19.01.2016)“

  1. Hammer!! Das mit dem cadmium wusste ich nicht, vielleicht sollte ich meinen Ring aus jaipur auch mal testen lassen… Fahrt ihr auch nach dehli?

Kommentare sind geschlossen.