Zuhause bei den Feuersteins (04.02. – 16.02.2016)

Andere Reisende berichten von Indien, dass es hier genau 2 schöne Orte gibt, Hampi und Rischikesh. Alles andere bis auf einzelne Attraktionen ist eher als interessant, anders, unglaublich, dreckig oder spirituell aber nicht als schön zu beschreiben. Nun geht es für uns endlich nach Hampi und es ist wirklich schön!

Mit Taxi, Bahn und Bus schlagen wir uns durch bis nach Hampi. Wobei wir 4 verschiedene Reiseagenturen anfragen mussten um schließlich ein Zugticket zu bekommen, denn die verkaufen viel lieber den deutlich teureren und unkomfortableren Schlafbus. Daher versuchen sie auch mit haarsträubenden Lügen einen glauben zu machen, es sei eine gute Idee den Bus zu nehmen.

Bei der Zimmersuche vor Ort haben wir mittlerweile, aufgrund vieler negativer Erfahrungen, eine umfangreiche Checkliste für die Zimmerbesichtigung. Also finden wir ein wirklich schönes, großes, sauberes Zimmer mit privatem Badezimmer, fließend Wasser, funktionierenden Steckdosen, und ohne versteckte Müllkippen für nur 400 Rupien pro Nacht. Andere Reisende bewundern unsere Professionalität bei der Zimmerinspektion.

Nichts desto trotz beschließt nach 7 Tagen ein Ameisenstamm ebenfalls bei uns einzuziehen und wir haben einen ganzen Tag damit zu kämpfen. Ein bisschen Insektizid hilft. Jedoch weist uns unsere Gastgeberin Veda darauf hin, dass die Ameisen doch kein Problem seien, da sie nicht beißen und für sie seien sie so etwas wie ein Gott. Ihr verheißen die Ameisen monetären Erfolg. Wir bevorzugen einen Raum ohne Gott und töten ihre Geld-Gottheit; es ist ohnehin keine Tugend so fixiert auf Geld zu sein. Auch die Affen werden als Verkörperung des Gottes Hanuman verehrt. Da allerdings jeden Morgen die Affenbande das Dorf überfällt wird schon mal eine Ausnahme gemacht. Jeden Morgen das selbe Spiel die Mamas stellen sich mit Stöckern bewaffnet vor die Küche und die Affen versuchen Essen zu klauen und die Kühlschränke aufzukriegen. Für einen unbeteiligten Beobachter ein amüsantes Schauspiel.

Da wir ganze 12 Tage in Hampi bleiben und eigentlich nicht viel unternehmen treffen wir auch hier wieder viele Menschen aus Kanada, Europa und Australien und haben interressante Gespräche. Unterhaltungen mit den Einheimischen beschränken sich auf „Rikshaw?! Your country?!“ „I-don’t-want-a-Rikshaw-Country!“ oder ähnlich kurze rein geschäftliche Konversationen. Denn für vernünftige Gespräche reichen die Englischkenntnisse meist nicht aus oder es dominiert das rein geschäftliche Interesse an uns. Die Kinder sind meist die besten indischen Gesprächspartner die wir finden; ein Fünkchen Hoffnung für Indien. Der Sohn unserer Gastgeberin zeigt uns zum Beispiel voller Stolz seine Origami Libelle die er gebastelt hat ohne den gehassten Nachsatz „how much you pay?“. Mit Vedas Mann spielt Felix 2 Partien Schach und verliert kläglich.

Direkt in Hampi gibt es eine rießige antike Tempelanlage mit dem Tempelelefanten Laxmi. Der Elefant wird täglich im Fluss gebadet und segnet den ganzen Tag lang Gäste des Tempels gegen Geld oder Bananen. Hier in Hampi war einst im 15.-17. Jahrhundert das Zentrum des hinduistischen Königreiches Vijajanagar. Ganz in der Nähe gibt es eine ganze Reihe von historischen Monumenten und sogar eine mehrere Quatdratkilometer große archäologische Stätte; natürlich UNESCO Weltkulturerbe. Wir haben einige Orte besichtigt, in der Fotoauswahl findet ihr die, die uns besonders gefallen haben. Außerdem gibt es um Hampi rum auch bemerkenswerte Natur. Überall liegen einfach riesige Felsbrocken und kleine Hügel aus noch mehr Fels herum. Dazwischen sieht man Bananen-, Kokosnuss-, Reis- und Zuckerrohrplantagen. Von einem der Felsbrockenhügel, dem Matananga Hügel, aus beobachten wir den Sonnenuntergang; einfach schön. Es gibt eine ganze Reihe solcher Sonnenuntergangsbeobachtungsposten. Mit uns zusammen hochgeklettert sind unsere französischen Zimmernachbarn Maxim und Marjeri.

Hampi wird von einem kleinen Flüsschen geteilt in Hampi Bazar und Hampi Island. Wir bleiben in Hampi Bazar und fahren für einen Tag mit der Fähre auf die andere Seite, wo wir uns einen Motorroller mieten. Wir finden ein paar wirklich paradisisch entlegene Orte wie zum Beispiel das „Whispering Rocks Retreat“ und bei einem Zuckerrohrfeld, welches gerade geerntet wird erbetteln wir uns eine Zuckerrohrstange.

Mit den Fahrrädern erkunden wir die Hampi Bazar Seite was ein mehrere Quadratkilometer großes archäologisches Gebiet ist. Es eröffnen sich die Bauten einer einst blühenden Kultur, Steinmetze mit Humor, Fledermäuse in den dunkelsten Ecken und natürlich klitzekleine und riesengroße Tempelanlagen. Eine der Tempelanlagen ist von den Affen in Besitz genommen, die ziemlich agressiv reagieren als wir uns den Tempel von Innen angucken wollen.

Insgesamt ist unsere Aufenthalt in Hampi sehr entspannt. Wir haben ein Doppelzimmer für uns (abgesehen von den Ameisen) und essen fast immer in der Tibeten Kitche, wo spirituelle Musik läuft, gutes Wifi herrscht und sie lecker pürierte Smoothies servieren (wenn Hampi nicht grade wieder Stromausfall hat). Hier bereiten wir uns auf unser kommendes Ziel vor; NEUSEELAND! Die Flüge werden gebucht, Visa beantragt, Geld aufs Konto überwiesen, Blogeinträge vorbereitet und wir organisieren uns Fahrräder in Neuseeland. Es ist vorbei mit der Rumfaulenzerei!

Doch bevor es losgeht müssen wir noch eine wichtige Sache erledigen… aus Indien rauskommen! In der Erwartung einer besseren Welt vergessen wir natürlich prompt Felix Pass, den wir als Sicherheit hinterlegt hatten. Uh Oh…, aber wie immer hat Jana genug Pufferzeit eingeplant, sodass Felix mit dem Bus zurück ins Dorf fahren kann. Jana kaut schon fast auf den Fingernägeln als er eine halbe Stunde bevor der Zug fährt wieder am Bahnhof ist. Alles nochmal gut gegangen. Es geht über Bangalore mit dem Nacht- und Bummelzug nach Chennai. In Bangalore weihen wir mit einem Porträt von Felix Janas neuen Zeichenblock ein. Felix wird dabei die ganze Zeit von den Indern angestarrt, dass es ihm gar nicht schwer fällt verschmitzt zu lächeln. Abends fahren wir dann in Chennai mit der Bahn zu unserem Hotel. Gut das so wenig los ist, die Bahn hat nämlich keine Türen! Es wird langsam wirklich Zeit für uns wieder Richtung westliche Zivilisation zu fliegen. „Fish `n Chips“ wir kommen!

3 Gedanken zu „Zuhause bei den Feuersteins (04.02. – 16.02.2016)“

  1. Moin,

    eure Reise klingt echt spannend und abenteuerlich!
    Ich habe hier immer mal wieder (so alle 2-3 Monate) reingeschaut, aber bisher vergessen mal zu kommentieren:
    Eure beiden Karten sind angekommen und ich habe mich sehr gefreut! (Ohne die erste Karte wäre ich vermutlich auch nie hier gelandet.)
    Ich hoffe ihr habt weiterhin noch viel Spaß und erlebt ganz viele tolle Dinge ohne euch zu sehr über’s Ohr hauen zu lassen 😉

    LG

  2. Hallo Ihr beiden Weltenbummler !
    Vielen Dank für Eure Karte aus Neuseeland mit indischen
    Motiv . Nun hoffen wir, das Ihr Euch in der etwas zivlisierten
    Welt noch zurecht findet. Weiterhin viele tolle Erlebnisse und
    Eindrücke. Wie weit sind Eure Planungen für danach
    fortgeschritten?
    Viele liebe Grüsse von Oma und Opa!

    1. ja wir planen dann erst einmal eine kleine Rundreise durch Europa und Deutschland zu machen um Euch und viele andere unserer Freunde zu besuchen. Und meinen Job bei Airbus werde ich dann wohl erst einmal weitermachen.

Kommentare sind geschlossen.